Kreuzweg bis Ostern: 2. Station



V. Adoramus te, Christe, et benedicimus tibi.
L. Quia per sanctam crucem tuam redemisti mundum.

Aus dem heiligen Evangelium nach Markus. 14, 43a.45-46.50-52
Noch während Jesus redete, kam Judas, einer der Zwölf. Er ging sogleich auf Jesus zu und sagte: »Rabbi!« Und er küßte ihn. Da ergriffen sie ihn und nahmen ihn fest. Da verließen ihn alle und flohen. Ein junger Mann aber, der nur mit einem leinenen Tuch bekleidet war, wollte ihm nachgehen. Da packten sie ihn; er aber ließ das Tuch fallen und lief nackt davon.

BETRACHTUNG
Verraten und verlassen von denen, die Er als Apostel erwählt, die Er in die Geheimnisse des Gottesreichs eingeweiht, denen Er volles Vertrauen geschenkt hatte! Ein völliges Scheitern also. Welch ein Schmerz und was für eine Demütigung! Doch all das geschah als Erfüllung dessen, was die Propheten gesagt hatten. Wie hätte man sonst die Häßlichkeit der Sünde erkennen können, die ja Verrat der Liebe ist?

Der Verrat überrascht, vor allem, wenn er sogar von Hirten der Herde verübt wird. Wie konnten sie ihm das antun? Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Versuchungen, Drohungen und Erpressungen beugen den Willen. Doch welche Schande! Wieviel Schmerz für das Herz des Herrn!
Empören wir uns nicht! An Abtrünnigkeiten hat es angesichts von Verfolgungen nie gefehlt. Und danach hat es oft eine Rückkehr gegeben. In jenem jungen Mann, der das Leintuch fallen ließ und nackt floh (vgl. Mk 14,51–52), haben maßgebliche Schriftausleger den späteren Evangelisten Markus gesehen.

GEBET
Herr, wer vor deiner Passion flieht, büßt seine Würde ein. Hab’ Mitleid mit uns! Wir entblößen uns vor deiner Majestät. Wir zeigen dir unsere Wunden, die schändlichsten. Jesus, dich verlassen heißt die Sonne verlassen. Wenn wir uns der Sonne entledigen wollen, fallen wir in Dunkelheit und Kälte.
Vater, wir haben uns von deinem Haus entfernt. Wir sind nicht würdig, erneut von dir empfangen zu werden. Du aber gibst Anweisungen, daß wir gewaschen und gekleidet werden und daß wir einen Ring an den Finger gesteckt bekommen.


Pater noster, qui es in caelis:
sanctificetur nomen tuum;
adveniat regnum tuum;
fiat voluntas tua, sicut in caelo, et in terra.
Panem nostrum cotidianum da nobis hodie;
et dimitte nobis debita nostra,
sicut et nos dimittimus debitoribus nostris;
et ne nos inducas in tentationem;
sed libera nos a malo.

Cuius animam gementem,
contristatam et dolentem
pertransivit gladius.

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