Dienstag, 26. April 2016

Darf man die Worte "Lust" und "Priester" in einem Satz verwenden?

Wenn man es so elegant hinbekommt wie Monsignore Florian Kolfhaus, dann auf jeden Fall. Dann darf und kann man auch den Plural verwenden: "Lüste", oder sogar noch provozierender, anrüchiger, Stammtisch-mäßiger:"geheime Lüste". Denn auch Priester sind ja Menschen und kennen Genuss und Sinnenfreuden, um zwei weniger erotisch aufgeladene Worte zu benutzen. Denn es geht in folgendem Gastbeitrag nicht um Sex und Erotik und schon gar nicht um das angebliche Unvermögen von Männern im allgemeinn und Priestern im Besonderen, überhaupt nur für eine bestimmten Zeitraum (ganz zu schweigen vom ganzen Leben, huuu) ohne Sex zu leben. Aber mit Liebe sollte er schon leben.


>> Die Rede ist von Berührung, Zärtlichkeit und Genuss, aber nicht in den Armen einer Frau, mit der der Priester vielleicht eine Nacht verbringt, sondern an der Seite Christi, mit dem er sein ganzes Leben teilt. “Jesus bleibet meine Freude, meine Lust und Seligkeit” heißt es in einer Bachkantate. Für den Priester ist hier nicht nur die geistliche Nähe des Gottessohnes gemeint, die jeder Christ erfahren kann und soll, sondern – das sage ich ganz bewusst so – der “lustvolle” Moment, die Hostie in Jesu Leib zu verwandeln und ihn emporzuheben, damit er von aller Welt gesehen und angebetet werde.

Dieser Moment ist wie das Wunder einer Geburt; wie der Augenblick, in dem ein junger Vater zum ersten Mal sein Kind im Arm hat: “Ich habe es ‘gemacht’, und doch ist es nicht mein Werk. Es ist mein Fleisch und Blut, aber doch nicht ein Stück von mir oder gar mein Eigentum.”

Der Priester bringt Christus auf den Altar, doch nicht wirklich er, sondern der Herr. Er ist Werkzeug und daher eins mit dem, der jetzt durch ihn handelt. Er ist der Pinsel, mit dem der Künstler ein herrliches Gemälde schafft. Wer hat die Mona Lisa gemalt? Natürlich Leonardo da Vinci. Aber hätte er es ohne Werkzeug tun können? Könnte ein Pinsel Lust empfinden, er würde bei jedem Strich des Malers jubeln. So ähnlich ein Priester, wenn er die Wandlungsworte spricht und dann Jesus in Händen halten darf. “Jetzt bist Du in meiner Hand” kann dann der Zelebrant sagen – mit der umfassenden Bedeutung dieses Wortes – und gleichzeitig weiß er staunend, dass er in der Hand dessen ruht, den er gerade hält. Das sind Momente der Zärtlichkeit und Freude, die geistlich und konkret, buchstäblich fassbar und un-fassbar sind. Es ist nicht Last, sondern Lust die hl. Messe zu zelebrieren.

Die andere große Lust eines Priesters, die nur er kennen kann, ist die – ich bitte um Verzeihung für diesen vielleicht anstößigen Vergleich – im “Halbdunkel” des Beichtstuhls. Hier ereignen sich Wunder der Liebe und Barmherzigkeit, von denen keiner außerhalb wissen kann. Was kein Psychologe und Therapeut, kein “bester Freund” und kein verständnisvoller Ehepartner tun kann, das gelingt dem Priester. Er sagt: “Ich spreche Dich los von Deinen Sünden” — und alles ist tatsächlich anders. <<

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Geistliche Kommunion III

Du bist höher als der Himmel und höher als die Welt, da sich der Schöpfer der Welt für Dich zum Kaufpreis dahingegeben. Was kann der an Dir Großes gefunden haben, der doch keines Besitztums weiter bedarf, was kann er so Großes gefunden haben, dass er Dich zu gewinnen den Kampf eines schmachvollen Todes bis zum schauerlichen Ende kämpfte? Was kann er an Dir finden wollen als Dein Selbst? Der ist der wahre Freund, welcher Dich selber begehrt, nicht aber das Deine. Schon bereit, für Dich zu sterben, sprach der wahre Freund: "Niemand hat größere Liebe denn die, dass er sein Leben lässt für seine Freunde."

(Pierre Abaelard, Brief Nr. 5 an Heloisa, 12. Jhd.)

Montag, 18. April 2016

Mother of sorrows

"Mother of sorrows", das ist englisch und bedeutet "Mutter der Sorgen", "Schmerzensmutter". In der christlichen Tradition wird Maria, die Mutter Jesu damit bezeichnet, basierend auf dem biblischen Seherwort des greisen Simeon: „Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen“ (Lk 2,35). er fromme alte Mann nahm damit die vielfältigen Sorgen und Ängste Mariens vorweg, die diese in 33 Jahren um ihren Sohn Jesus ausgestanden hat.
Der Priester und Songwriter Albert Gutberlet LC  verbindet ihre, der Gottesmutter, Sorgen, mit den Ängsten und Nöten die Mütter zu allen Zeiten um ihre Kinder ausstehen. Interessanterweise ist die erste Mutter, die Gutberlet hier porträtiert, eine junge Frau, die in den Wirren nach dem Zweiten Weltkrieg vergewaltigt und vertrieben wurde. Klingt hier nicht ein Echo aus der Geschichte herauf? Das Lied des Leidens, das heute von den IS-Geiseln und ihren Kindern gesungen wird? Die Mutter der zweiten Strophe muss ihren Sohn viel zu jung an den Krieg frei geben. Sie muss zusehen, wie aus seiner noch kindlichen Seele alle Wärme, alle Zärtlichkeit vertrieben wird; wie ihm der Hass (auf den Gegner) eingeflüstert wird, wo sie versuchte, ihn zu Liebe zu erziehen. Wie viele Mütter müssen heute hilflos mitansehen, wie ihre Söhne falschen Ideologien folgen und von Hasspredigern radikalisiert werden? Diese Sorgen werden hier mit den Sorgen und zugleich dem Vertrauen der Gottesmutter auf der Flucht nach Ägypten verbunden und nach einer musikalischen "Bridge" in einen kraftvollen Appell der Nächstenliebe umgewandelt.



Mother of sorrows
On your back you carry all you own
And in your arms your little child
And, Mother, you are still a child.
And the father is far away.
You don’t even know his name.
Was he Russian, was he French?
He wasn’t German, that’s all you know.
And his uniform was dirty
And he was cruel, that’s all you saw.
And you don’t know where to go,
Or how to feed your starving child,  

And find a warm place for the night. 

Mother of Sorrows, wherever you're weeping,
I will try to dry your tears
And help you as much as I can...

Mother of Sorrows
On the streets somewhere in Moscow
No one seems to see your tears.
They have taken away your child.
And your husband died long ago
You can hardly count the years.
Much too young to be a soldier,
when they took him, was your son.
And the thought that he might suffer
Broke your heart, your loving one.
But what is more than this...
You had tried to teach him love.
But now they've taught him how to hate.

Mother of Sorrows, wherever you're weeping,
I will try to dry your tears
And help you as much as I can.

Mother of Sorrows
A little donkey carries all you own
As well as you and your child.
For forty hours you've been on the road,
And Egypt's still many miles away.
And you’re hungry cold and tired.
On the flight from a raging king
who wants to kill your little son.
you would give your life to save him
Who is called the Saving One.
But you and Joseph trust in God,
And he will never let you down.
And salvation will come through his Son.

Mother of Sorrows, wherever you're weeping
I will try to dry your tears
And help you as much as I can.

Jesus told the blind man “See again”
Jesus told the lame man “Walk again”
And He gave everlasting joy to the poorest of the poor
So that’s what we must do:
To have mercy on a world that cries,
United with Christ

Mother of Mercy, wherever God's weeping,
Help me to dry his tears
Help me to dry his tears.

Warum die kleine Blanche de la Force immer wieder ihr Opfer bringt

"Du hast es weit gebracht, meine kleine furchtsame Blanche de la Force, ich hätte dir dies niemals zugetraut, als du mich Jahren batest, dein Leben zu erzählen! Mit Staunen vernahm ich, dass du Scheue es wagtest, jene Bretter zu betreten, die, wie man sagt, die Welt bedeuten. Und nun hast du sogar die Musik vermocht, sich deiner zarten Stimme anzunehmen. Möge es der gewaltigsten und tiefsten aller Künste geschenkt sein, uns heutigen Menschen, die nicht weniger von Todesangst umwittert sind als du und deine Zeit, den Eindruck jener Gnade zu vermitteln, die alle menschliche Ohnmacht aufhebt in den Sieg Gottes." (GvlF anlässlich der Uraufführung der Oper von Francis Poulenc am 24. September 1960)
Große Stoffe können wohl nie zu oft erzählt werden. Ja, man erkennt die Größe einer Geschichte eigentlich erst recht daran, dass sie ihre Frische und Ursprünglichkeit, ihre Unmittelbarkeit und Wahrheit behält, auch wenn sie noch so oft und auf die unterschiedlichsten Weisen erzählt wird. So ging es der Novelle  "Die Letzte am Schafott", in welcher Gertrud von le Fort das Schicksal der Karmeliterinnen von Compiègne erzählt. Der Schriftsteller Georges Bernanos nahm sich nach dem Zweiten Weltkrieg des kleines Werkes dieser großen Dichterin an und arbeitete daraus ein Drehbuch, das 1949 als Theaterstück "Dialogue des Carmélites" (dt. "Die begnadetete Angst") auf die Bühne kam. Den Komponisten Francis Poulenc inspirierten die Geschehnisse des 24. Juni 1794 und das Buch von Le Fort  zu einer Oper, die Ende der 1950er uraufgeführt wurde. 1960 fand die "kleine, furchtsame Blanche", wie Le Fort die Heldin ihrer Novelle bezeichnete, schließlich den Weg auf die große Leinwand. Und all dies, obwohl, oder vielleicht gerade weil sie im historischen Sinne nie gelebt hat.
"Geboren aus dem tiefen Grauen einer Zeit, die in Deutschland überschattet wurde von den vorauseilenden Ahnungen kommender Geschicke, stieg diese Gestalt vor mir auf gleichsam als „Verkörperung der Todesangst einer ganzen zu Ende gehenden Epoche“. Das beständig bangende Kind, das von der Dienerschaft des Hauses "Häschen" genannt wird, das junge Mädchen, das aus Weltangst in ein Kloster tritt und sein religiöses Leben dort in der mystischen Verbindung mit der Agonie Christ zu gestalten sucht, lebte bereits in meinen dichterischen Entwürfen vor der Einbettung seines Schicksals in das der 16 Karmeliterinnen von Compiègne. Durch einen Zufall wurde ich mit diesen bekannt. Eine kleine Notiz, die Fußnote eines den katholischen Orden gewidmeten Buches löste den Entschluss aus, den Schauplatz für das Auftreten miener kleinen Blanche aus der Gegenwart in die Französische Revolution zu verlegen. Ich folgte damit einer meiner Dichtung auch sonst naheliegenden Neigung, aktuelle Probleme und Gestalten in die Vergangenheit zurückzuspiegeln, um sie, von der allzu bedrängenden Nähe gelöst, reiner und ruhier former zu können." (GvlF aus dem Nachwort zu Georges Bernanos' "Die begnadete Angst")

Freitag, 8. April 2016

"Amoris Laetitia" oder Wer lesen kann, ist klar im Vorteil

Nun ist es also da, das Schreiben nach den beiden Familiensynoden. Lang erwartet, viel spekuliert, und auch noch auf deutsch. Ich werde damit jetzt erst mal auf Tauchstation gehen und es studieren, damit ich den Papst wörtlich höre und nicht das, was alle Welt aus seinen Worten machen werden.

Handlungsempfehlung für die nächsten Wochen: selber lesen, nachdenken, das eigene Gewissen bilden und kritisch prüfen, viel beten (!!) und erst dann vielleicht eine Meinung haben.

Donnerstag, 7. April 2016

Ein Schatz ganz nach meinem Geschmack

kam vor einigen Tagen mit der Post an. Manchmal bringen die sozialen Medien tatsächlich Menschen über Generationen und Kilometer hinweg zusammen. So bedanke ich mich von ganzem Herzen bei der verehrten Dr. Renate Krüger, Schriftstellerin aus Mecklenburg, die mir einen Teil ihrer Le-Fort-Sammlung anvertraut hat. Ich werde diese Bücher immer in Ehren halten als langen Schatten der Grande Dame der katholischen Literatur.

Mittwoch, 6. April 2016

Papst Franziskus singt das Lob des Bauern

in seiner Videobotschaft zu seinem Gebetsanliegen, das er im Monat 2016 für die (Klein)Bauern auf der ganzen Welt formuliert hat.

Freitag, 1. April 2016

Gebetsmeinung des Heiligen Vaters für April 2016

1. Die Kleinbauern – für Anerkennung ihrer Arbeit und faire Preise

2. Die Christen Afrikas in den politisch-religiösen Konflikten. Sie mögen für die Liebe Christi Zeugen sein.