Montag, 9. Oktober 2017

L-Magazin der Legionäre Christi 01_2017

Dass es hier in diesem kleinen Internet-Tagebuch um einiges ruhiger geworden ist, mag auch daran liegen, dass ich seit zwei Jahren hauptberuflich woanders schreibe und mir dann oft schlicht die Zeit für private Ergüsse fehlt. Und zwar u.a. → hier und → hier. Und das dürft ihr gern als Leseempfehlung verstehen!

→ hier geht's zur pdf-Fassung des L-Magazins.
So habe ich zum 20jährigen Gelübdejubiläum einer gottgeweihten Frau im Regnum Christi einen Artikel fertiggestell, der gekürzt im L-Magazin 01_2017 erschienen ist. Eva Gloserová kommt aus Tschechien und ist die "Dienstälteste" gottgeweihte Frau in der Gemeinschaft in Düsseldorf. Die ungekürzte Fassung meines Artikels über sie könnt ihr online → hier lesen.

Außerdem findet ihr im aktuellen L-Magazin der Legionäre Christi einen ausführlichen Rückblick auf die MOVE, das Jugend- und Familientreffen der Gemeinschaft im Juni, mit dem Vortrag von Pater Vincenz Heereman LC über die Bedeutung der Liebe Christi für den Apostel Paulus und mit einigen Stimmen der zahlreichen Besucher.

In seiner Kolumne zur Neuevangelisierung stellt Pater Klaus Einsle LC stellt seine eigene Vision von Neuevangelisierung vor und erklärt, warum es wichtig ist, Visionen und Ziele zu haben.

Auf Seite 17 des L-Magazins findet ihr außerdem eine Einladung zu einer Pilgerreise nach Rom vom 15. bis 20. Dezember 2017. Höhepunkt dieser Pilgerfahrt ist die Priesterweihe von 32 Ordensmännern der Legionäre Christi aus aller Welt. Zwei der Weihekandidaten, der Slovake P. Štefan Kavecký LC und der Venezolaner P. Andrés Orellana LC werden im Magazin näher vorgestellt. Besonders interessant finde ich, was Pater Štefan über die Zeit in der spät- und postkommunistischen Slovakei erzählt.

Was ist eigentlich Satire (und was nicht)?

"Satire" ist laut Definition "eine Kunstgattung, die durch Spott, Ironie und Übertreibung bestimmte Personen, Anschauungen, Ereignisse oder Zustände kritisieren oder verächtlich machen will." In dem jüngsten Artikel von Björn Odendahl auf katholisch.de ist viel Spott enthalten, auch grausamer Spott. Kunst konnte ich dagegen nur wenig entdecken und da stellt sich dann die Frage, wen oder was Herr O. verächtlich machen möchte. "Verächtlich machen" kommt von "verachten", der "Verachtung preisgeben". Und das ist dann schon ein starkes Stück. Kritisiert wird nämlich eher weniger, auch nicht die doch kritikwürde Affäre um die fragwürde Haltung der Broeders van Liefde zum menschlichen Leben. Denn wie kann es Kritik sein, wenn man Euthanasie in bestimmten Fällen für angebracht hält? Auch ein Herr Trump und selbst ein Herr Kim haben das Recht zu leben. Weil sie Menschen sind. So traurig das für den Rest unserer Spezies klingen mag. Sobald man nämlich anfängt, in scheinbar "berechtigten Fällen" die Menschlichkeit und die damit einhergehende Würde und Rechte abzusprechen, sind wir nur noch einen Finger breit von der willkürlichen Einteilung in "Menschen" und "Untermenschen" entfernt. Und wir wissen alle, welch furchtbare Versuchungen danach kamen. Ergo ist selbst Herr O. ein Mensch, auch wenn er möglicherweise von Wölfen aufgezogen wurde. Doch selbst eine Wolfsmutter würde er mit seinem schlechtem Benehmen und seinen Tiraden wider Benedikt XVI beschämen.

Denn, und hier kommen wir zum Kern des ganzen Artikels, scheinbar hat Herr O. immer noch eine oder mehrere Rechungen mit dem Emeritus offen. Anders kann man sich seine Fixierung nicht erklären. Kommt er in besagtem "Satirischen Wochenrückblick" (07.10.2017) sonst mit einem Absatz pro Thema aus, widmet er Benedikt XVI ganze zwei Absätze, auch wenn er das mit der Meldung über den Krankenhausaufenhalt von Erzbischof Gänswein kaschieren möchte. Nicht nur unterstellt er dem emeritierten Papst beginnende Demenz ("...hat das aber wohl das ein oder andere Mal vergessen. Kann ja passieren in dem Alter."), er macht sich außerdem über dessen altersbedingte Sehschwäche lustig. Selbst wenn ersteres zutreffen würde - was es nicht tut, sonst könnte er mit über 90 Jahren nicht noch seitenweise tiefsinnige Vorworte schreiben - ist es mehr als schlechter Stil, die Krankheiten eines Menschen der Lächerlichkeit preis zu geben. Im Übrigen wurde der Emeritus bestimmt um jenes Vorwort in der russischen Ausgabe seines Gesamtwerkes gebeten. Das ist durchaus Brauch in der akademischen Welt, zu welcher auch ein emeritierter Professor noch immer zählt. Selbst wenn er zwischenzeitlich mal Papst war.

Man kann im übrigen über vieles geteilter Meinung sein. Niemand zwingt Herrn O. dazu, die Ansichten des Emeritus zu Liturgie und Situation der Una Sancta Catholica zu teilen. Wir haben in der Kirche eine solch große Vielfalt an Möglichkeiten, Gott zu preisen  - die Korrekteren sagen "liturgische Riten" - dass da wirklich Jeder seinen Lieblingsritus finden sollte. Dass Sorgen über den Zustand des mystischen Leibes Christi heute mehr denn je angebracht sind, darüber kann Einigkeit bestehen, auch wenn man sich die Themenfelder seiner Sorgen dann wieder aussuchen darf. Jetzt habe ich schon viel mehr Worte zu diesem unseligen Thema verloren, als ich eigentlich wollte.

Auf Twitter war da wohl am Wochenende bereits eine Schlacht zu entbrannt. Auch in diesem Zusammenhang möchte ich zur Mäßigung aufrufen. Und zwar alle beteiligten Seiten. Loyalität ist zunächst einmal wirklich gut und natürlich kann ein "ständiges Schießen gegen bestimmte Autoren ermüdend sein". Ich glaube Herrn Martin auch unbesehen, dass die Kritik nicht nur von "dunkelkatholischen Kreisen" kommt. Auch die sog. Progressisten innerhalb der deutschen katholischen Kirche zeichnen sich selten durch Feingefühl aus. Ich würde auch nicht soweit gehen, Herrn O. eine"schäbige Gesinnung" unterstellen, auch wenn seine Artikel oft diesen Eindruck vermitteln. Sollte seine Gesinnung rein sein, muss er allerdings heftigst an seinen Formulierungen schrauben. Und an seinem Verständnis von Satire. Nicht zu schweigen von seinem Anstand. Wie schon oft in solcherart Debatten gesagt: Satire darf viel, sie soll beißend sein, den Finger in die Wunde legen. Aber sich über vermeintliche oder tatsächliche gesundheitliche Gebrechen lustig zu machen geht gar nicht! 


P.S. Ich habe den erwähnten Artikel nicht verlinkt. Schund soll jeder selber finden. Es gibt genug Hinweise im Text.

Sonntag, 1. Oktober 2017

Beten wir mit dem Heiligen Vater im Oktober 2017: Für die arbeitende Bevölkerung

Für die Arbeiter und die Arbeitslosen: Um Respekt und Rechtsschutz für die Arbeiter und dass auch die Arbeitslosen die Möglichkeit erhalten, zum Gemeinwohl beizutragen.

Mittwoch, 20. September 2017

Wie geht Lebensschutz im Alltag?

Nach dem Marsch für das Leben 2017 sind Reaktionen in Deutschland mal wieder geteilt. In der Berichterstattung der Leitmedien spielt die Kundgebung für den Lebensschutzes nach wie vor keine oder nur eine marginale Rolle. Teilnehmerzahlen werden kleingeredet oder der Marsch selbst wird nur als Anlass für Berichte über die Gegendemonstranten genutzt, die dann aber ausführlich und hasserfüllt (gegenüber den "Abtreibungsgegnern") zu Wort kommen dürfen. Aber das kennen wir schon. Die Teilnehmer selber - laut Organisatoren des Marsches rund 7.500 Menschen - berichten übereinstimmend von einer friedlichen, fröhlichen Atmosphäre untereinander. Neben den Grußworten überwogen Musik und Lebensfreude und auch die Kinder, die mit ihren Eltern nach Berlin  gekommen waren, sahen entspannt und glücklich aus. Gar nicht traumatisiert, wie LGBTI-Verblendete gerne behaupten.

Was bleibt?


Und doch werden auch im Jahr 2018 wieder ungezählte Menschen in Deutschland vorgeburtlich getötet werden, weil sie ihrer Umwelt nicht in den Lebensplan oder das Weltbild passen. Kinder mit Down-Syndrom werden zu annähernd 100% vorgeburtlich ausselektiert werden. Das Klima älteren und unheilbar kranken Menschen gegenüber wird spürbar rauher, das Verständnis für liebevolle Pflege schwindet, der Druck zu Sterbehilfe und assistiertem Selbstmord nimmt dagegen zu. Auch Weihbischof Florian Wörner beklagte am Rande des Marsches für das Leben ein schwindendes Bewusstsein in der Bevölkerung für den Wert des menschlichen Lebens und ermutigte dazu, nicht nachzulassen in der Bewusstseinsbildung - "behutsam, liebevoll, aber auch mutig. Und je mehr Menschen da mitmachen, desto besser ist es." Inzwischen gibt es immer mehr Initiativen, die genau das tun. 1000plus engagiert sich dafür, dass Frauen in Not bundesweit Anlaufstellen mit kompetenter und unterstützender Beratung finden. Diesen Verein kann man unterstützen, man kann natürlich auch immer über die persönliche Überzeugung sprechen. Aber was kann man darüberhinaus tun? Ganz konkret im Alltag? Was tut ihr? Ich freue mich auf eure zahlreichen Antworten in den Kommentaren.

Dienstag, 19. September 2017

Gibt es eine deutsche Antwort auf die "Benedict Option"?

Diese Frage gurgelt jetzt schon länger in meinen Eingeweiden herum. Eigentlich seitdem die Worte "Benedict Option" in meiner Filterblase ankamen. Der US-Amerikaner Rod Dreher hat in seinem Buch die kulturprägende Kraft des Christentum (wieder)entdeckt und plädiert dafür, diese Kraft in das eigene Leben und in die Gesellschaft zu tragen. In Deutschland hat der KingBaer dieses Thema für sich entdeckt. Vielleicht hat ihn das Subversive daran angesprochen. Oder vielleicht ist die Gesellschaft in Berlin  auch schon säkularer, mithin "postchristlicher" als anderswo? Aber ist es im übrigen Land oder in Europa denn so anders? Ist nicht viel mehr die christliche Tradition, die mancherorts noch gelebt wird, rein äußerliche Patina? Wer weiß zum Beispiel heute noch um die Bedeutung christlicher Feiertage? Oft kommen sich praktizierende Christen ja vor wie die Letzten Mohikaner. Da besteht dann leicht die Gefahr in Trübsinn zu verfallen. Genau davor warnen Rod Dreher und der KingBaer. Sie ermutigen vielmehr dazu, die subversive Kraft einer kreativen Minderheit nicht zu vergessen und für die Sache Jesu nutzbar zu machen.

Diese Idee ist schon älter. Die Entdeckung, dass das Christentum in der westlichen Hemisphäre zunehmend schwindend ist ja auch nicht so neu. Der Prozess ist besonders in den Industrienationen schleichend. Vielleicht geht es der Religion da ähnlich wie der Philosophie: solange es einem materiell gut geht, sind metaphysische Gedanken den meisten Menschen zu anstrengend. Und selbst wenn, hat das Christentum ein gewaltiges Imageproblem. Dem Einen sind die 2000 Jahre Kirchengeschichte viel zu viel Ballast, es gibt zuviele Regeln, kurz, es wird schlichtweg als altmodisch erlebt. Warum der Islam, der nicht selten viel rigider daherkommt, sich nicht mit demselben Image herumschlagen muss, sondern im Gegenteil immer noch den Hauch des Exotischen verströmt, bleibt mir persönlich unverständlich. Das soll hier aber jetzt nicht Thema sein.

Hier soll es jetzt um die Frage gehen, ob es auch eine deutsche bzw. europäische Antwort auf die "Benedict Option" von Rod Dreher geben kann, ob eine solche erst gefunden werden muss, oder ob es sie nicht vielmehr schon gibt? Wenn ich die Benedict Option richtig verstanden haben, geht es darum, sich zuerst auf den eigenen Glauben und dessen Wurzeln zu besinnen, quasi sich wie der hl. Benedikt in eine eigene "Mönchshöhle" zurückziehen, um dann mit Mut und wiederentdecktem Glauben aktiv zu werden. Tatsächlich gibt es mehrere christliche Gemeinschaften und Initiativen, die als kreative Minderheiten wirken. Im Prinzip sind alle Ordensgemeinschaften auf diese Weise entstanden. Und eigentlich hatte ich in diesem Zusammenhang auch die christlichen Verbände und Vereine erwähnen wollen, aber BDKJ, Caritas, Kolping etc. marginalisieren sich in dieser Hinsicht gerade selbst.

Seit dem 20. Jahrhundert sind da eher die Geistlichen Gemeinschaften in Erscheinung getreten. So ist die Gemeinschaft Emmanuel aus einer kleinen Gruppe "Anbeter in der Stadt" gewachsen und das sog. "Pfarrzellsystem" möchte mit solchen Anbetungsgruppen sogar ganze, müde gewordene, Pfarreien regenerieren. Auch das Programm "Rebuilt" ermutigt gläubige Laien dazu, zusammen mit Priestern und Ordensleuten kreativ und aktiv zu werden, um Gemeinden wiederzubeleben. Die Idee hinter "Rebuilt" kommt ebenfalls aus den USA und Pater Thomas Gögele LC hat hierfür in Österreich dasselbe gemacht, was der KingBaer für die Benedict Option in Deutschland gemacht hat: Das englische Buch für ein deutschsprachiges Publikum im Internet bekannt gemacht. Pater Thomas gehört selbst einer Gemeinschaft an, deren Hauptcharisma darin liegt "Menschen in die Freundschaft mit Christus zu führen, damit Er sie zu Aposteln macht". Zunächst geht es dieser Gemeinschaft also in erster Linie um die einzelnen Menschenseelen. Dass gläubige Menschen sich von ihrem Glauben auch in anderen Lebensbereichen inspirieren lassen und dass dann im besten Fall subversiv und kulturprägegend wirken kann, wird als positiver Nebeneffekt mitgenommen. An den vielen unterschiedlichen Apostolatsprojekten (Kinder- und Jugendgruppen, Freizeitcamps, Jugendwallfahrten, katholische Schulen, Einkehrtage, Exerzitien, persönliche geistliche Begleitung etc.etc.) kann man ein wenig von der Kreativität ahnen, die ein überzeugter, tiefer Glaube freisetzt. Der Apostel Paulus hat diese Kreativität gehabt und er ist einer der Patrone jener (ungenannten) Gemeinschaft. Er kann auch als Patron für Jene dienen, die unter der "Benedict Option" segeln. Und da fällt mir ein Vortrag ein, den Pater Andreas Schöggl LC im Juni diesen Jahres hielt. Da erklärte in kleinen Schritten, was wir von den Lebensetappen des heiligen Paulus lernen können: Sich selbst immer wieder prüfen, beten, treu sein gegenüber der Kirche, gemeinsam arbeiten. Und immer mit der Liebe Christi im Gepäck, die uns umfängt und drängt!

Dienstag, 5. September 2017

Selbstversuch mit Kopftuch

Warum versucht ihr es nicht mal in einer katholischen Kirche?

Die Schüler einer Schule in Magdeburg starten einen „Selbstversuch“, um herauszubekommen, „wie sehr sich die Leute über das Kopftuch aufregen und es immer noch nicht akzeptieren“. Eine junge Frau namens Pauline stellt sich als Versuchsobjekt zur Verfügung und zieht los. „Pauline geht mit Kopftuch duch die Straßen... Blicke, Kopfschütteln und sogar Kommentare kommen von Passanten, die sich in Paulines Umgebung unwohl fühlen“, sagt eine Stimme aus dem Off. „Man ist unter ständiger Beobachtung, als wäre man ein Schwerverbrecher, Pauline will sofort wieder zurück und das Kopftuch absetzen, da sie nicht mehr von anderen belästigt werden will.“
So meldete es Henryk M. Broder vor einem auf der "Achse des Guten". Die Bezeichnung "Gemeinschaftsblog" trifft es schon lange nicht mehr, wie ich finde, seit die Liste der Autoren immer länger wird. Im Grunde sind dort Glossen und Kommentare von Autoren versammelt, die anderorts wahrscheinlich an der Hürde der Political Correctness scheitern würden. Als oft erfrischende Stimme und Ort der freien Meinungsäußerung im medialen Einheitsbrei schätze ich die Achse durchaus, auch wenn ich natürlich nicht jede dort geäußerte Meinung teile.

Was ich allerdings teile, ist Broders sarkastische Sicht auf oben genannten und ähnliche Selbstversuche. Was mir bei dieser oder ähnlichen Aktionen verwöhnter Wohlstandskinder sauer aufstößt, ist der wehleidige Unterton. Sie wollen sich auf die Diskriminierung von Minderheiten aufmerksam mache, suchen sich dafür allerdings nur diejenigen Gruppen heraus, die am besten in ihr Weltbild passen und von denen am meisten Beifall zu erwarten ist. Die Probantin unter dem (moslemischen) Kopftuch bekam also Blicke, Kopfschütteln und Kommentare ab. Meine Herren! Da kann sie ja froh sein, dass sie nicht seit über 30 Jahren in meiner Haut steckt. Ok, der Vergleich ist jetzt ein bisschen unfair; Aussehen hängt halt immer von der DNA ab. Aber wenn ich mich von "Blicken und Kopfschütteln" brüskiert fühle, bekomme ich nur regelmäßig zu hören, ich solle "mich nicht so anstellen". Außerdem finde ich es so gar nicht mutig, den Selbstversuch als angebliche Muslima zu starten. Man bekommt doch heute eher Beifall, in diesem Bereich irgendwas zu machen. Mal was anderes wäre es, wenn sie für einen solchen Selbstversuch ihr Kopftuch in einer katholischen Kirche zu tragen. Während einer heiligen Messe; am besten im ordentlichen lateinischen Ritus und in einer Kirche, die in den 1960er Jahren erbaut wurden. Das wäre mal mutig.

Montag, 4. September 2017

Wie virtuell ist die Realität? Erlebnisse auf der Gamescom 2017

Der KingBaer hat eine Rubrik "Dinge, zu denen mich meine Liebste überredet hat". Das Erlebnis, über das ich jetzt schreibe, könnte auch in diese Kategorie fallen. Das liebste Menschenkind von allen hat mich nämlich letztes Wochenende auf die Gamescom 2017 geschleppt. Für diejenigen unter uns, die ebenso wie ich vorher noch nie einen Fuß in die Niederungen der Video-PC-Konsolen-Spiele getan hat, kommt hier erst mal die Definition:
Die Gamescom in Deutschland ist, gemessen nach Ausstellungsfläche und Besucheranzahl, die weltweit zweitgrößte Messe für interaktive Unterhaltungselektronik, insbesondere für Video- und Computerspiele. Die gamescom 2017 endete am 26. August mit einem neuen Besucherrekord. Vom 22. bis 26. August kamen Schätzungen zufolge insgesamt über 350.000 Besucher aus 106 Ländern zum weltweit größten Event für Computer und Videospiele.
Dass es groß werden würde, hatte ich mir schon fast gedacht. Immerhin fand das Ganze auf dem Kölner Messegelände statt, wo man schon müde ist, wenn man eine Halle von oben bis unten durchquert hat. Viel interessanter fand ich die Grafiken, die mittlerweile immer ausgefeilter werden, so dass die Worte "virtuelle Realität" immer realer werden. Bei Spielen wie dem Landwirtschaftssimulator "Pure Farming" stellen die Grafiken in 3D idyllische Landschaften und sonnenbeschienene Felder dar, das wirkt beruhigend, aber irgendwie stelle ich mir Schlachtfelder mit Surroundsound und 3D angsteinflößend vor. Noch beunruhigender finde ich den Anteil dieser Kriegsspiele im Vergleich zu Strategie-, Sport-, oder Spielen anderer Genres. Ich habe nicht nachgezählt, aber gefühlt sind es mehr "Ballerspiele" in Neuzeit, Mittelalter oder anderen Zeiten.
© privat

Abtauchen in eine andere Welt - das ist wohl die Hauptmotivation, die viele Menschen vor die Bildschirme treibt. Warum in diesen Welten aber ausgerechnet ständig virtuell Menschen getötet werden müssen, wo die meisten Spieler in der realen Realität keiner Fliege etwas zu Leide tun können, das bleibt wohl ihr Geheimnis. Das liebste Menschenkind von allen taucht zwar auch gern ab in seine XBox, aber er bleibt dabei wenigstens in den Fantasywelten von DC und bekämpft als Batman das Verbrechen, wobei die Bösewichter lediglich eingesperrt, aber nicht virtuell getötet werden. 
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Ein weiteres Stück Neuland für mich war das sog. "Cosplay Village". Cosplay, das sich Kostümieren wie Figuren aus Fantasyfilmen oder Comicspielen, habe ich schon auf der Buchmesse in Frankfurt wahrgenommen. Und auch damals fand ich die buntgekleideten und grell geschminketen Gestalten bestenfalls amüsant und ihre Kreativität bewundernswert. 
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Wenn die Lieblingsfiguren mit Cosplayern sogar "lebendig" werden können, fällt es noch leichter, in die fremden Welten der Comics und Fantasyspiele abzutauchen. Naja, "jeder nach seiner Façon" habe ich mir an diesem Wochenende oft gedacht. Manche brauchen Comics und Spiele um zu entspannen, andere können das mit einem guten Buch und haben ihre Bilder im eigenen Kopf. 

Worin taucht ihr ab, wenn ihr Abwechslung braucht? Wie virtuell ist eure Realität? Oder wie real ist eure Virtualität?