Freue dich, du Gnadenvolle

Letzte Generalaudienz des Jahres 2012, Aula Paolo VI, Papst Benedikt XVI vor rund 5000 Pilger:


"Die Verkündigung" von Sandro Botticelli.
Bild von hier.
>>In dieser Katechese vor Weihnachten möchte ich das Geheimnis der Verkündigung der Geburt Jesu an Maria mit euch betrachten. Der Engel Gabriel redet Maria mit einem besonderen Gruß an: »Chaîrē kecharitomēne, ho Kyrios meta sou. Freue dich, du Gnadenvolle. Der Herr ist mit dir« (Lk 1,28). Das Wort chaîrē – »Freue dich« – ist eine im griechischen Sprachraum übliche Grußform. In den Evangelien kommt es nur einmal – eben hier – vor, dagegen im griechischen Text des Alten Testaments erscheint es viermal und bezeichnet dort die Freude des Volkes Israel über den nahenden Messias und das Frohsein in der Tiefe des Herzens. Diese innere Freude läßt sich selbst durch schmerzvolle Erlebnisse nicht vertreiben, sondern wird dadurch erst zu ihrer rechten Reife geführt. Das zeigt auch Maria, die in ihrem Leben die Dunkelheit des Willens Gottes bis zum Kreuz ihres Sohnes hin kennt. Gleich zu Beginn nimmt sie die Botschaft des Engels in ihrem Herzen an und denkt darüber nach (vgl. Lk 1,29). Sie dialogisiert innerlich mit dem Willen Gottes, sagt uns Lukas. Maria erschrickt zwar, aber zugleich will sie verstehen. Sie wendet sich dem Engel zu. Sie ist eine furchtlose Frau, die selbst vor dem Unerhörten besonnen bleibt. Ebenso sehen wir sie als die innerliche Frau, die mit Herz und Verstand den Zusammenhang, das ganze Heilshandeln Gottes, zu verstehen versucht. Sie stellt sich in Freiheit zur Verfügung, und Gott schenkt ihr daraufhin seine Gnade, die den Möglichkeiten des Menschen stets schöpferisch begegnet. Maria ist dabei ein Bild für die Kirche, die das Wort Gottes festhält, es bedenkt, sein Wesen zu verstehen sucht und das Geschenkte in ihrem Gedächtnis bewahrt. In der Demut ihres Glaubens ist sie zugleich ein Vorbild für jeden von uns: sie ist es, »die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ« (Lk 1,45).<<

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