Freitag, 7. Dezember 2012

Ein mutiger Auftrag

Gastbeitrag von Christoph Kraus, dem an dieser Stelle einmal herzlich für sein Engagement, auch heiße Eisen anzufassen und sein Herzblut, mit dem er die Sachen angeht, gedankt sein soll.


>>Ein plärrendes Neugeborenes hat es schwer, den Wunsch nach Nahrungsaufnahme zu artikulieren, wenn Papa und Mama lediglich ein lautstarkes Plärren verstehen – und nicht etwa "Milchreis und Haferbrei, bitte!". Und so erinnert auch die seit Jahren anhaltende Strukturdebatte an ein leidiges Problem innerhalb unserer Kirche. Die Rede ist von der Tatsache, dass Glaubensbotschaften das Innere des Herzens nicht mehr berühren, sondern von der Vielstimmigkeit des Chores der Kritiker übertönt werden. Schließlich lässt sich vortrefflich über Reizthemen nörgeln, gerne stundenlang, bevorzugt in gemütlichen Gremien und am liebsten unter kräftiger Mitwirkung der üblichen Politnasen, sofern diese mal gerade nicht bei Maischberger und Co. herumlungern.

Dabei ist Europa auf dem Papier immer noch ein durch und durch vom Christentum geprägter Kontinent. Weder zwei Weltkriege noch schlimme Diktaturen und kommunistische Herrschaften haben das Bedürfnis nach sinnstiftender Religionspraxis ersticken können. Man konnte angesichts des II. Vatikanischen Konzils vor fünfzig Jahren sogar von einem ganz neuen Aufbruch des christlichen Glaubens, insbesondere des Katholizismus, sprechen. Fast schon schwärmerisch wurde vielerorts eine neue Blüte der Frömmigkeit herbeiposaunt – doch machen wir uns nichts vor: Wir stehen wieder direkt am Anfang aller Bemühungen. Zurück auf Los. Ohne 4.000 Mark einzusacken. Das kann ganz schön deprimieren. Das Leben ist eben kein Monopoly, wo man Gott einen guten Mann sein lassen kann, wenn man es einmal geschafft hat, ein Hotel in der Schlossallee zu errichten.

Da passt eine Äußerung Jesu so überhaupt nicht ins Gerede unserer Zeit, wo "Einheit in Vielfalt" als Vitamin-C-Brausetablette ökumenischer Konsensfindung proklamiert wird: "Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut", spricht der Herr im Evangelium des Hl. Lukas. Und er trifft den Nagel auf den Kopf. Wir selbst sind gefordert, und zwar du, der dies liest, dein Nachbar mit dem dicken Bauch und – fast vergessen – ich selbst. Für Ihn sein, mit Ihm sammeln, das schließt auch alles drumherum mit ein. Das Engagement für die Wehrlosesten unter uns, die Söhne und Töchter des Mutterbauchs, gehört dazu, ebenso der Schutz des althergebrachten Lebensmodells "Familie", das der Gesellschaft (und somit auch der Wirtschaft) Jahr für Jahr mehr als 650.000 potenzielle Leistungsträger zuführt. Gerade dann, wenn es anfängt, unbequem zu werden, wenn man anzuecken beginnt, dann muss Schluss sein mit der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner, der in Zeiten der "political correctness" gerade noch vertretbar ist. Dann halten grüner Fraktionszwang – hallo, Frau Göring-Eckhardt! – und die Angst vor medialer Steinigung nicht mehr als Entschuldigung her.

Packen wir's also an! Nehmen wir – getreu der Predigt bei der Eröffnung der Bischofssynode vom 07. Oktober 2012 – auch die Menschen ins Gebet, "die zwar getauft sind, sich aber von der Kirche entfernt haben und in ihrem Leben keine Beziehung zur christlichen Praxis haben." Der junge Joseph Ratzinger machte sich, damals 31-jährig, kluge Gedanken über die Zukunft des europäischen Christentums, das zusehends der Säkularisierung ausgesetzt ist. Seine Ausführungen über die "Kirche von Heiden, die sich noch Christen nennen", sollen uns alle zum Nachdenken anregen: "So bleibt für alle Hoffnung und Drohung zugleich. In diesem Schnittpunkt von Hoffnung und Drohung, aus dem sich der Ernst und die hohe Freude des Christseins ergeben, hat der Christ von heute sein Dasein zu meistern inmitten der neuen Heiden, die er auf andere Weise in dieselbe Hoffnung und Drohung gestellt erkennt, weil es auch für sie kein anderes Heil gibt als das eine, an das er glaubt: Jesus Christus, den Herrn."<<

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