Ihr werdet um meines Namens willen von allen gehasst werden

Leseprobe aus dem Buch: "Das Todesurteil" von Joseph Fadelle

>> - Gib uns die Namen! Wer sind die Christen, die du getroffen hast?
- Ich kenne keine Christen...
Einer der Folterknechte verlässt den Raum. Fünf Minuten verstreichen. Ich versuche wieder zu Atem zu kommen und mir im Geist ein Bild von meinen Blessuren zu machen. Durch die Brutalität der Schläge ist meine Augenbinde verrutscht. Mit einem Auge kann ich erkennen, was um mich herum geschieht.
Schreckerfüllt sehe ich den zweiten Wärter zurückkehren. In seinen Händen hält er ein langes Stück Kabelummantelung, mindestens zwei oder drei Zentimenter dick. Höhnisch lachend sieht er mich an; mir graust vor ihm: Er scheint verrückt zu sein und es ist eine mörderische, bestialische Verrücktheit. Er wirkt von der Grausamkeit seines Tuns wie berauscht.
Alle meine Muskeln versteifen sich und warten auf den ersten Hieb. Der Schmerz ist entsetzlich, unmenschlich. Er entringt mir einen Schrei, der aus der Tiefe meiner Eingeweide zu kommen scheint und sich unendlich im Gewirr der Räum und finsteren Gänge bricht. Aber ich weiß, dass ich an diesem düsteren Ort keine Hilfe zu erwarten haben. Also schweige ich.
Damit reize ich meinen Angreifer noch mehr: Dass ich stumm bleibe, wirkt auf ihn wie ein rotes Tuch. Verbissen verdoppelt er seine Anstrengungen...<< (S.97f)
>>Die einzige wahre Freiheit, die mir noch bleibt, ist die der inneren Zwiesprache mit Christus. Und so erlebe ich eine Vertrautheit mit ihm, die ich andernfalls vielleicht niemals kennengelernt hätte. 
Ich habe das Gefühl, Ihm sehr nahe zu sein, ohne dass meine Leidensprüfung dieser innigen Begegnung etwas anhaben könnte. Im Gegenteil, die überwundenen Schwierigkeiten lassen meine Beziehung zum Sohn Gottes nur noch intensiver werden, der ebenfalls gelitten hat und nun zu meinem einzigen Halt und meiner einzigen Stärke wird. [...]
Die Monate vergehen und lehren mich, dieser Entdeckungsreise immer freieren Lauf zu lassen. Die innere Zwiesprache verleiht mir zuweilen sogar die Kühnheit, meine Einsamkeit als eine Schule des Glaubens zu betrachten: ein Ausbildungscamp für die Soldaten Christi.<< (S.103)

Informationen zu der Lage der Christen im Irak, die Joseph Fadelle durch sein Schweigen nicht noch mehr in Gefahr bringen wollte, finden sich auch im entsprechenden Beitrag der Reihe "Sanguis martyrum" auf Elsas Nacht(b)revier. Demnächst dort geplant: ein Beitrag über die Christen in Nordkorea.

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