Weg mit dem Alten, her mit dem Neuen

So zumindest scheint es, nachdem Christian Wulff vor einigen Tagen seinen Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten erklärt hat. Es gibt noch einige kleinere mediale Rückzugsgefechte und auch die Kabarettisten werden bei den politischen Aschermittwochsveranstaltungen noch ihren Spass an der sog. Causa Wulff haben, aber im Großen und Ganzen scheint das Thema doch durch zu sein.

Endlich, möchte man sagen, nachdem es den bundesdeutschen MSM (Mainstream-Medien) in den letzten Monaten die Arbeitsplätze sicherte. Jetzt stürzt sich alles, was Stifte, Computer und Kameras besitzt auf Joachim Gauck, den neuen, offiziellen Kanditaten der großen Parteien für das frei gewordene Amt. Man schreibt sich die Finger wund, um dem Volk den Kandidaten schmackhaft zu machen und zu ergründen wer dieser Pastor Gauck tatsächlich ist und für was er steht.

Dass die regierenden und oppositionierenden Politiker mehr als nur ein Wörtchen bei der (Aus)Wahl des Bundespräsidenten mitzureden haben, scheint doch bedenklich, denn natürlich werden sie immer einen Kandidaten suchen, der ihnen sachlich und persönlich nicht in die Quere kommt. Im schlimmsten Fall hätten wir dann einen Marionettenpräsidenten. Vielleicht sollte man, bevor Personalien verhandelt werden, mal über die Bedeutung dieses wichtigen Amtes nachdenken; z.B. mit den Worten des ersten Mannes, der es je innehatte, Herrn Theodor Heuss:
"Es ist bis jetzt ein Paragraphengespinst gewesen. Es ist von dieser Stunde an ein Amt, das mit einem Menschentum gefüllt ist. Und die Frage ist nun, wie wir alle zusammen aus diesem Amt etwas wie eine Tradition, etwas wie eine Kraft schaffen, die Maß und Gewicht besitzen und im politischen Kräftespiel sich selber darstellen will. (12. September 1949)
 Es kommt also nicht zuletzt auf die Person an, welche dieses Amt ausübt und ihr Verständnis von "Menschentum", Verantwortung und Demokratie. Es gehört auch eine gewisse Souveränität dazu, eine selbstsichere Gelassenheit, die es nicht nötig hat, sich ständig in den Vordergrund zu spielen und die genug  Verantwortungsbewusstsein und Demut besitzt, sich in Dienst nehmen zu lassen. Aber ob sich in den Niederungen des politischen Berlin so jemand finden lässt...?

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