Von Narzissen und Mimosen

Nun ist sie also beendet, die Zusammenarbeit  der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) mit der Kriminologischen Forschungsstelle Niedersachsens (KFN) in Sachen 'Aufarbeitung der Missbrauchsfälle'. Und schon bricht er los, der Sturm aus Entrüstung, Schuldzuweisungen, Rechtfertigungen und Ermahnungen. Nicht nur die jeweils Beteiligten zelebrieren ihr zerbrochenes Vertrauen öffentlich, in einer Mediengesellschaft wie der unseren will natürlich jeden seinen Senf dazugeben. So trifft der Vorwurf der gekränkten Eitelkeit, den Matthias Dobrinski von der Süddeutschen Zeitung ganz bildungsbürgerlich als "Narzissmusfalle" den deutschen Bischöfen anheftet, ebenso auf Herrn Prof. Pfeiffer (mit drei 'f', von der KFN) zu, der nach Dobrinski lediglich über seine Wortwahl nachdenken sollte, um künftige Kooperationspartner nicht mit "unbedachten Äußerungen" zu verschrecken. Irgendwie muss er sich doch wehren, der arme Herr P., dem so plötzlich ein nicht nur prestigeträchtiger sondern wahrscheinlich auch finanzstarker Auftrag durch die Lappen gegangen ist. Und was passt besser zu den allgemeinen Klischees über die katholische Kirche, als sofort und laut "Zensur" zu schreien, wenn ein verantwortungsvollerer Umgang mit sensiblen, weil personenbezogenen Daten von Menschen angemahnt wird? Natürlich darf dabei auch die hehre politische Riege nicht mit Ermahnungen sparen, wenn die bösen 'Fürstbischöfe' die ihnen anvertrauten Priester unter ihre schützende Mäntel nehmen. Aber - unter uns - was kann man anderes erwarten von einer Ministerin, die im Eilverfahren einen Gesetzesentwurf durchpeitschen möchte, in dem man unter dem Deckmantel der "Barmherzigkeit" lästig gewordenen alten oder behinderten Menschen ungestraft einen tödlichen Medikamentencocktail verabreichen darf? Scheinbar ist kein Vorwurf zu altbacken, keine Ermahnung zu moralinsauer und keine Empörung zu doppelbödig, wenn es darum geht, der katholischen Kirche eins auszuwischen.

So verständlich ich die Reaktion der DBK auf dieses ganze mediale Getrommel des Herrn P. finde, irgendwie fehlt mir schon lange die Sachlichkeit in öffentlichen Diskussionen, gleich zu welchem Thema.

Im übrigen - und dies sei ausdrücklich als INFORMATION verstanden - stellt die katholische Kirche keineswegs die wissenschaftliche Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs durch Kleriker ein. Jedes Bistum hat einen unabhängigen Missbrauchsbeauftragten und das Institut für Forensische Psychatrie der Universität Essen Duisburg führte bereits eine Studie durch, die zu recht überraschenden Ergebnisse kam.

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