Abtreibungsgrund Vergewaltigung?

>>Der "Kölner Stadt-Anzeiger" hatte berichtet, dass im Dezember zwei Kliniken in Trägerschaft der Stiftung der Cellitinnen zur heiligen Maria in der Domstadt die Behandlung einer 25-Jährigen abgelehnt hatten. Die Frau war bei einer Party mit K.o.-Tropfen betäubt worden und später auf einer Parkbank zu sich gekommen. Eine Notärztin hatte die Kliniken gebeten, Spuren einer eventuellen Vergewaltigung zu sichern. Die Einrichtungen verweigerten laut Bericht die Untersuchung, weil damit auch ein Beratungsgespräch über eine mögliche Schwangerschaft und deren Abbruch sowie das Verschreiben der "Pille danach" verbunden sei.<< (Dossier zum Thema auf domradio.de)
Nachdem die Meldung über eine junge Frau, die nach einer mutmaßlichen Vergewaltigung von einer Kölner Klinik in katholischer Trägerschaft abgewiesen worden war, durch sämtliche Medien gegangen war, wurde die Grundproblematik in der öffentlichen Meinung ziemlich schnell auf die Fragen reduziert, ob es überhaupt katholische Krankenhäuser geben darf (wer das fordert, hat meiner Meinung nach etwas Grundlegendes nicht verstanden, nämlich dass es das Gesundheitswesen in seiner heutigen Form ohne die katholische Kirche nicht gäbe) und ob man es einem Vergewaltigungsopfer überhaupt zumuten kann, ein bei der Tat gezeugtes Kind auszutragen, oder ob nicht in solchen Fällen Abtreibung stets das Mittel der Wahl sei.

Als jemand, der die genauen Umstände seiner eigenen Entstehung ebenfalls nicht kennt, erlaube ich mir, dazu eine Meinung zu haben: das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile und der Mensch ist gemeinhin mehr als seine DNS oder die Umstände seiner Zeugung. Persönlich bin ich sehr froh, weder vor- noch nachgeburtlich getötet worden zu sein. Besser als alles Beharren auf Theorien überzeugen zudem konkrete Zeugnisse und Schicksale, z.B. jenes von Rebecca Kiessling, die in einer Vergewaltigung gezeugt wurde und heute sagt, dass sie 'durch staatliches Gesetz beschützt wurde', weil in ihrem US-amerikanischen Heimatbundesstaat Michigan Abtreibung verboten ist. Ich gehe mit Ms Kiessling ebenfalls konform, wenn ich sage, dass diese ganze Abtreibungsdiskussion wie ein "Schlag ins Gesicht" denjenigen gegenüber wirkt, die aus einer Abtreibung o.ä. heraus entstanden sind.

Kommentare

Cinderella01 hat gesagt…
Ich denke, auch ein bei einer solchen Tat gezeugtes Kind kann ein künftiger Mozart, oder ein Ingenieur, der unsere Energieprobleme löst oder ein heiliger Priester werden. Es gibt keinen Grund, ein solches Kind für die Untat seines Vaters büßen zu lassen. Wenn die Frau dieses Kind nicht lieben kann und will, kann sie es immer noch zur Adoption freigeben.
Cassandra hat gesagt…
Ich bin weder Mozart noch werde ich zum Energieproblem Lösungsansätze jenseits von "ich mache das Licht hinter mir aus" beitragen und für's Priestertum habe ich das falsche Geschlecht.
Kurz und bündig: auf mich könnte die Menschheit im großen und ganzen recht gut verzichten.
Mit anderen Worten: ein Mensch wie fast alle anderen.

Trotzdem bin ich gern am Leben, mit all' meiner Alltäglichkeit, Langweiligkeit und Durchschnittlichkeit.

Auch aus den allermeisten abgetriebenen Kindern würde wahrscheinlich eher niemand, der Autos dazu bringt, mit alten Socken zu fahren oder sonstwas "Großes" leistet. Und das ist völlig egal. Selbst wenn dieser Mensch "nur" vor sich hin lebt, kein Grund ihm abzutreiben. Wir erschießne ja auch nicht jeden, der keinen Professorengrad erreicht hat.
Selbst wenn dieser Mensch immer "von anderen leben" wird weil er nie seinen Lebensunterhalt selbst erwirtschaften kann- Todesstarfe für HartzIV haben will schließlich keiner.

Es geht nicht um die Option auf große Leistungen, es geht um die Frage, ob man leben darf oder nicht.
Anonym hat gesagt…
Im At forderte das Gesetz des Mose schon Abtreibung bei einer möglichen Schwangerschaft mit einem unehelichen Kind. 4. Mo. 5 11-31: Der Priester (!)sollte dabei mitwirken. Stand eine Frau im Verdacht die Ehe gebrochen zu haben, musste sie ein Wasser trinken, dass sie, wenn sie schuldig war, unfruchtbar macht und die Leibesfrucht abtötet. Gott sei Dank sind solche Forderungen seit Jesus aufgehoben!

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