Wieviel Wahrheit braucht der Mensch?

Ein Gastbeitrag von Christoph Kraus.


>>Kaum eine Frage hat die Menschen in den vergangenen Jahrhunderten so sehr beschäftigt wie die nach der Wahrheit. Lassen wir doch einmal das Wort ausklingen: Wahrheit ... Schon der Begriff an sich – er riecht nach zermürbenden Stuhlkreisdebatten, nach kleingedrucktem Feuilleton-Gefasel auf den hinteren Zeitungsseiten sowie nach Richard David Precht und seinen Kumpels von der Philosophie-AG. Doch wieviel Wahrheit braucht der Mensch, wieviel verträgt er, kann er sich ihrer überhaupt sicher sein und worin findet er letztlich die endgültige Gewissheit?

Schon die alten Naturvölker waren fest davon überzeugt, dass sie ihr Dasein – und darin eingeschlossen all ihr Denken, Tun, ihre Freude, ihre Trauer, eben einfach ALLES – einer höheren Macht verdanken. Sogar Sir Isaac Newton, der große Gelehrte, war sich derer sicher. Und er nannte diese höhere Macht Gott. Von Newton ist folgendes Zitat überliefert: 
„Ohne allen Zweifel konnte diese Welt, so wie wir sie erfahren, mit all ihrer Vielfalt an Formen und Bewegungen, nur und aus nichts anderem entstehen als aus dem absoluten und freien Willen Gottes, der über alles herrscht und regiert.“
Doch seien wir ehrlich: Aus solchen schlauen Abreißkalendersprüchen lässt sich immer noch nicht ableiten, wie wir das einzig Wahre in unserem faulen und strebsamen, fröhlichen und traurigen, schönen und hässlichen Alltag erkennen können. Ist ein amokgelaufener Depressiver, der in einem Anflug von Wahnsinn Dutzende Menschen auf dem Gewissen hat, aber letztlich doch nur ein armes Opfer seiner eigenen Krankheit ist, der Wahrheit näher auf der Spur als jemand, der jeden Sonntag fromm das Halleluja schmettert, werktags aber ein kollegiales Schwein ist? Gut möglich. Oder auch nicht. „Niemand kann die Wahrheit haben, die Wahrheit hat uns.“, sprach unser Heiliger Vater anlässlich des alljährlichen Treffens des Ratzinger-Schülerkreises vor seinen Mitgliedern und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Wie sehr wir der Wahrheit ausgeliefert sind (und nicht umgekehrt), führt er weiter aus:
„[Die Wahrheit] ist etwas Lebendiges! Wir sind nicht ihre Besitzer, sondern wir sind von ihr ergriffen; nur wenn wir uns von ihr führen und treiben lassen, bleiben wir in ihr; nur wenn wir mit ihr und in ihr Pilger der Wahrheit sind, dann ist sie in uns und durch uns da. Ich glaube, das müssen wir wieder neu erlernen, dieses Nicht-Haben der Wahrheit. So wie kein Mensch sagen kann: ‚Ich habe Kinder’ – sie sind keine Habe, sie sind ein Geschenk, und sie sind uns als Gabe Gottes aufgetragen –, so können wir nicht sagen: ‚Ich habe die Wahrheit’. Aber die Wahrheit ist zu uns gekommen und drängt uns. Wir müssen lernen, uns von ihr treiben zu lassen, uns von ihr führen zu lassen. Dann wird sie auch wieder leuchten: wenn sie uns selber führt und durchdringt.“
Doch es wäre regelrecht dumm, angesichts dieses fast schon beunruhigend ehrlichen Schulterzuckens fröhlich die Fahne des Relativimus zu hissen und zu behaupten: "Jeder sagt etwas anderes. So haben alle ein bisschen recht. Zünden wir doch ein Lichtlein an und treffen uns in der Mitte." Solche Schlussfolgerungen sind Murks!

Ebenso naiv ist es, die Wahrheit durch demokratische Mehrheitsfindung zu suchen: "Wenn sich soundsoviele Menschen für die Ausdehnung des Ehebegriffs, für mehr Gleichberechtigung und weniger Apostelkirche, für die Frauenordination oder für ein freies Recht auf die „Pille danach“ einsetzen, muss das schon irgendwie richtig sein." Was für ein Irrsinn! Mit solchen billigen Parolen kann man höchstens Wahlen gewinnen, Präses der EKD oder Bundesvorsitzender eines pseudo-katholischen Jugendverbands im geistlichen Dauerkoma werden – aber der eingangs erwähnten Frage nach der Wahrheitsfindung dient dies letztlich nicht. Doch leider Gottes gilt es gemeinhin als nicht besonders cool, sich solchen Wortführern zu widersetzen, die oftmals daherkommen wie die Propheten in Schafskleidern, sich aber letztlich als reißende Wölfe entpuppen. Das lehrte schon der ehrwürdige Evangelist Matthäus (Mt 7, 15). Und der muss es als Jünger des Herrn himself wissen.

Eben auch das ist fest begründeter Teil der Wahrheit: dass sich Gott in der Gemeinschaft der Kirche geoffenbart hat und heute noch durch die Heilige Schrift und die überlieferte Tradition der Kirche in der Liturgie zu uns Menschen spricht. Ferner kann es nur eine Wahrheit geben, ebenso wie uns nur ein Heiland geschenkt wurde, dessen einmaliges Erlösungsopfer die eine Kirche bei jeder heiligen Eucharistiefeier preist.

Da hat sie uns wieder: die eine Wahrheit.<<


Vielen Dank, lieber Christoph, für deine offenen Worte. Bin sehr gespannt, was dich sonst noch so bewegt und du mit uns teilen möchtest. Vielleicht kommt ja auch noch eine Fortsetzung zu diesem Beitrag, warum die eine Wahrheit in Jesus Christus und Seiner Kirche zu finden ist?

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