Das Klima wird rauher

Il capitano fragt sich in einem Kommentar bei Mme Elsa, ob es auch so etwas wie 'Christophobie' gibt. Nun möchte ich hier nicht noch einmal das Fass der irrationalen, bzw. therapierbaren Ängste aufmachen, aber um festzustellen, dass die Einschläge näher kommen, dafür braucht man gar nicht mal die internationale Übersicht, die S.Exz. Erzbischof Gerhard Ludwig Müller von der Glaubenskongregation zweifellos hat. Dass kann man leider inzwischen auch aus als 'ganz normaler Katholik' feststellen, wenn man sich für jeden Kirchgang vor seinen Nachbarn rechtfertigen muss und z.B. in Kommentaren zu online Zeitungsartikeln Christen die Existenzberechtigung in diesem demokratischen Land abgesprochen wird und sie damit indirekt 'zum Abschuss freigegeben werden'. Wenn dann noch die Tatsache der Christenverfolgung, unter der gegenwärtig rund 100 Mio. Menschen weltweit leiden, zynisch heruntergespielt oder ganz geleugnet wird, dann zeugt das schon von einem gedanklichen Klima, dass für Angehörige des so angefeindeten Glaubens durchaus ungemütlich werden kann.

Der dieser Tage durch die Medien geisternde Begriff der 'Pogromstimmung', deren Heraufdämmern von Erzbischof Müller gewittert worden war, >>beschränkt sich laut Wikipedia weder allein auf Juden noch auf ethnische Gruppen. Das Beispiel ('Hexenpogrom') verdeutlicht, dass die als Pogrom bezeichnete Ausschreitung sich nicht gegen eine klar definierbare Gruppe richten muss. Es reicht vielmehr aus, wenn Einzelpersonen einer realen bzw. vermeintlichen gesellschaftlichen Gruppe zugeschrieben werden.<<
Scheinbar gehört es aber nicht zur Stellenbeschreibung einer Bundesjustizministerin, sich über die Definition eines Begriffes zu informieren, bevor man reflexartig gegen die Kirche Gift und Galle spuckt.

Und eigentlich hat Erzbischof Müller in diesem vielgescholtenen Artikel im Großen und Ganzen nur zwei wesentliche Aussagen gemacht:
1) dass wir in Deutschland uns oft  in Unwesentlichkeiten verzetteln und dabei am Kern der Sache, also am Herrn Jesus Christus höchstpersönlich und selbst, vorbeireden.
2) dass es eine sachliche Debattenkultur kaum noch gibt und das Klima gegenüber der Religion im Allgemeinen und dem Christentum im Besonderen etwas rauher wird.

[Update!] Wenn sogar der Leiter des amerikanisch-jüdischen Komitees für interreligiöse Angelegenheiten, Rabbi David Rosen aus Jerusalem, die Äußerungen von Erzbischof Müller wahrheitsgemäß lesen kann und dennoch (oder gerade deswegen) zu dem Schluss kommt, dass diese Äußerungen in 'böswilliger Absicht' interpretiert, um nicht zu sagen 'verdreht' wurden, dann können doch auch wir mindestens drei Gänge herunterschalten in der Diskussion, oder? Wörtlich sagte Rabbi Rosen: "Kein Vergleich mit der Shoah ist je angemessen. Ebenso klar ist für jeden vernünftigen Menschen, der die Worte Erzbischofs Müllers nachliest, aber auch, dass ein solcher Vergleich keineswegs in seiner Absicht war".

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