4

"Sicherheit, ja ja. Und ich sitze hier fest", brummte der Junge vor sich hin, während er verbissen an dem neuen Leisten herumschnitzte. Eigentlich war es gar nicht so schlecht hier, sinnierte er weiter. Aber ach, wenn er doch nur noch viel mehr hätte lesen können in den letzten Jahren! Die Berichte der Seefahrer und Entdecker aus dem Geographieunterricht hatten ihn am meisten fasziniert. Kerpen dagegen war klein. Seine Welt bestand aus der Kirche, der Schule, nun der Werktstatt und hörte bei Vaters Weide hinter dem Neffelbach auf. Hier kannte er Jeden und konnte alles überschauen. Wie das wohl war, wenn rings um einen herum nur noch Wasser war, die endlosen Wellen wogten? Über die Jahre war ihm auch der Bücherschrank des verehrten Lehrers zu klein geworden. Aber der Pfarrer hatte ihm auch hin und wieder eine Schrift über einen Missionar in fernen Ländern zugesteckt, wenn er in der Frühmesse gewesen war. Da waren die nebligen Täler und Wiesen für ihn verschwunden, der Horizont aufgegangen. Fast hatte er dann manches Mal gemeint, das Treiben auf Basaren zu hören, die Menschen, die noch nie etwas vom guten Herrgott gehört hatten. Die gab es tatsächlich noch, das stand in den Büchern. Er würde ihnen gerne erzählen.... "Oh, verfl...", nun hatte er sich schon wieder geschnitten. Unversehens stand der Meister neben ihm, nahm ihm ruhig das Stück Holz aus der Hand, verband wortlos die Hand und schickte ihn zu den Gesellen.

<< Teil 3
>> Teil 5 



[Update: Nach Hinweis aus der Combox und mehrfachen Versuchen, bitte ich darum, den Link "Zwei" zu meiden. Das war ein missglückter Versuch und wurde zwischenzeitlich gelöscht. Vielen Dank für euer Verständnis. ]

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

ein Ohrwurm

Dichter sein bedeutet Hingabe der Persönlichkeit!

Wie man Müll vermeidet #1: Häkele deinen eigenen Duschschwamm