Sonntag, 20. Oktober 2013

Kirche in den Medien: das verzerrte Spiegelbild

>>Marginalisierung,  “Kirche” voll ins private abzudrängen, jeden öffentlichen Einfluß, ja jede öffentliche Wahrnehmung komplett zu unterbinden, es sei denn man kann sie skandalisieren, das hat Methode.<<
So heißt es in einem beachtlichen Artikel von Peter Winnemöller zur medialen Rezeption des Limburger Dom- und Kostenberges.  Vielfach zeigen sich die Folgen bereits an der sog. 'Basis', z.B. wenn  die Argumente der Gesprächspartner so sehr den Schlagzeilen ähneln, dass kein Blatt mehr dazwischen passt. Nimmt man dann die Statistiken der Deutschen Bischofskonferenz zu den jährlichen Kirchenbesucherzahlen hinzu, scheint das Wort Marginalisierung voll zuzutreffen. Andererseits frage ich mich dann: "Wenn es tatsächlich immer weniger Menschen interessiert, was die katholischen Kirche lehrt, was den chrislichen Glauben ausmacht, warum ist es dann notwendig, diese derart zu skandalisieren?" Wenn einem eine Sache oder eine Institution egal ist, dann kümmert man sich weder darum, was sie lehrt, noch darum, was sie macht. In fast allen anderen Themenfeldern ist es doch so, dass zumindest eine Grundkenntis in der Thematik, eine Verbundenheit damit gefordert wird, wenn sich jemand zu einem Thema äußert. Nur in Sachen Kirche kann jeder mehr oder weniger Qualifizierte, das heißt für mich 'Gläubige' Zeitungseiten füllen, Interviews geben und es wird von der meist schweigenden Mehrheit für bare Münze genommen, 'weil es ja in den Medien war'. Und dann fühlen sie sich als informierte, mündige Bürger. Pfff! In oben erwähntem Artikel bemerkt Peter Winnemöller zudem, dass sich die Bischöfe einen Bärendienst erwiesen haben, die Medienarbeit unter dem Vorwand der Sachlichkeit nach und nach ganz an die weltlichen Medien abgegeben zu haben. Denn woher sollen die Menschen sonst umfassende, wirklichkeitsabbildende Informationen bekommen? Monopolismus ist nie gut für die Verbraucher, das lernt man schon im ersten Semester der Wirtschaftswissenschaften. Eine vielfältige Medienlandschaft, in der auch im wahrsten Sinne christliche Medien (keine Karteileichen!) vertreten sind, täte nicht zuletzt dem Anspruch nach wahrheitsgetreuer Berichterstattung der Medien gut. Vielleicht sind die Menschen in Ländern mit einer guten christlichen Medienarbeit auch deswegen gelassener, weil sie 'im Haus des Vaters' leben, wie es S.E. Bischof Xavier Novell in einem El-País-Interview 2011 sagte:
>>Wenn ich einen Vater habe und bei ihm im Haus lebe, weiß ich, was er sagt. Wer in diesem Hause wohnt, hört die Stimme seines Bischofs in Stereo und erfährt seine Worte nicht aus den Schlagzeilen; er sieht selbst, dass er in einem fort von Christus redet. Und wenn er einmal etwas sagt, was in die Zeitung kommt, denken die Leute, die nicht zu Hause leben, das sei alles, wovon der Bischof redet.<<
Bevor mir zu den Stichworten 'Karteileichen' und 'Wahrhaftigkeit' jugendlicher Idealismus und Weltfremdheit unterstellt werden, möchte ich nur darauf hinweisen, dass es auch in weltlichen Konzernen Unternehmenspolitik und Richtlinien gibt. In den USA gibt es die bekannten "Mission, Vision, Values"-Statements, die jeder Arbeitnehmer mit der Unterzeichnung seines Arbeitsvertrages akzeptiert und wo selbstverständlich erwartet wird, dass er sie auch umsetzt. Je nach Ausrichtung des Unternehmens können diese Statements auch bestimmte Geisteshaltungen und Verhaltensweisen beinhalten, deren Nichteinhaltung auch geahndet werden können. Sollte es da für hauptamtliche Mitarbeiter in Ordinariaten und sonstigen kirchlichen Einrichtungen nicht noch viel selbstverständlicher sein, gläubige Christen zu sein, die sich weder für ihren Glauben schämen, noch ihrer Kirche ständig ans Bein pinkeln müssen, weil sie eben 'nicht von dieser Welt ist'? Natürlich muss man sich dabei immer wieder selbst prüfen, in Gebet und Beichte vom Herrn auch liebevoll maßregelnd anschauen lassen und das kann anstrengend sein. Vielleicht gibt es auch deswegen diese ständigen Bemühungen nach Marginalisierung und Skandalisierung der katholischen Kirche, weil es manchen unerträglich scheint, dass es immer noch Menschen gibt (und nicht wenige. Weltweit sind wir 1,2 Mrd!) , die ihr Leben am Evangelium ausrichten und glücklich sind.

Kommentare:

Christoph hat gesagt…

Wenn es dabei einzig um Qualifikation ginge, wäre Peter Wesnierski von SPON wohl eher Redakteur für die Satire-Rubrik. Ist nicht auch Peter Seewald katholischer Korrespondent geworden, weil er vom Kollegen gefragt wurde, ob er früher mal Messdiener war? So können sich die Dinge wandeln...

Gertie di Sasso hat gesagt…

Über Wensierski und seine Heckenschützenfähigkeiten hatte ich auch schon mal was gesagt. Und das mit der Qualifikation/Glauben sollte zwar nicht das einzige Einstellungskriterium sein, aber auch nicht vollständig außer Acht gelassen werden, weder in Redaktionen noch in Ordinariaten.