Montag, 17. November 2014

Sterben in Würde - Wo bleibt die Liebe?

Aus Sorge um den Menschen setzen sich Christen dafür ein, dass das Leben eines jeden Menschen – gerade auch in der Nähe des Todes – bis zuletzt geschützt wird. Sie glauben daran, dass sich alles, was ist, Gott verdankt. Gott hat den Menschen als sein Abbild geschaffen und ihm eine unantastbare Wür­de verliehen. Anfang und Ende des Lebens sind der Verfügung des Menschen ent­zo­gen.(aus dem Flyer der DBK „Sterben in Würde – worum geht es eigentlich?“)

Die einzige Demenzkranke, die ich in letzter Zeit erlebt habe, war meine Firmpatin. Sie war die beste Freundin meiner Mama; sie haben zusammen studiert und auch sonst viel Zeit verbracht. Außerdem war sie genau ein Jahr jünger als meine Mama, das war ihr immer sehr wichtig. Sie war eine der elegantesten Damen, die ich kenne, ging jede Woche zum Friseur und hat auch sonst viel Wert auf ein gepflegtes Äußeres gelegt. Ohne dass sie besonders eitel gewesen wäre. Als es mit meinem Papa zuende ging wurde sie krank und im Frühjar 2013 starb sie. Man wusste lange nicht was es war, nur dass es wohl eine schnell voranschreitende Form von Demenz gewesen ist. Ihr Mann hat sie mit einer Selbstverstänlichkeit und Hingabe gepflegt, dass manche ganz erstaunt waren. Zuerst zuhause und die letzten paar Wochen ist er sie täglich im Pflegeheim besuchen gegangen. Immerhin ging er selbst damals bereits stramm auf die 80 zu. Es war direkt rührend, wie er sie in den Rollstuhl gesetzt, sie gefüttert, ihr vorgelesen hat. Ihre Ehe ist dadurch wohl auch nochmal in eine ganz neue Phase eingetreten. Auf jeden Fall spürte man die Liebe durch jede seiner Geste, vielleicht gerade weil er noch nie ein Mann großer Worte war.

Leider konnte ich sie nicht so oft sehen, wie ich wollte, weil ich zu dem Zeitpunkt schon beruflich ziemlich eingespannt war. Nur ein mal konnte ich meine Mama ins Pflegeheim begleiten und da sah sie schon aus "wie ihre eigene Totenmaske". Ich bin echt erschrocken, als ich in den Raum kam und sie da liegen sah. Auch wenn es ein schöner, freundlicher Raum war, liebevoll mit all ihren persönlichen Erinnerungsstücken dekoriert. Sie haben sie dann in den Rollstuhl gepackt und wir sind spazieren gegangen. Ich durfte sie schieben und später haben wir sie gefüttert. Ich weiß nicht, ob sie mich erkannt hat, auch wenn meine Mama meinte, dass sie es getan hat und sie muss es wissen, weil sie sie fast noch täglich gesehen hat. Wenige Woche nach meinem Besuch ist sie dann gestorben und ich würde diesen Nachmittag mit ihr gegen nichts auf der Welt eintauschen wollen.

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