Samstag, 28. März 2015

Zum XXX. Weltjugendtag: ...denn sie werden Gott schauen

Aus der Botschaft von Papst Franziskus zum XXX. Weltjugendtag - Teil III:
3. …denn sie werden Gott schauen
Im Herzen jedes Mannes und jeder Frau erklingt unentwegt die Einladung des Herrn: » Sucht mein Angesicht! « (Ps 27,8). Zugleich müssen wir uns immer mit unserer ärmlichen Lage als Sünder auseinandersetzen. Es ist das, was wir zum Beispiel im Buch der Psalmen lesen: » Wer darf hinaufziehen zum Berg des Herrn, wer darf stehn an seiner heiligen Stätte? Der reine Hände hat und ein lauteres Herz« (Ps 24,3-4). Doch wir dürfen weder Angst haben, noch den Mut verlieren: In der Bibel und in der Geschichte eines jeden von uns sehen wir, dass immer Gott den ersten Schritt tut. Er ist es, der uns läutert, damit wir Zugang erlangen zu seiner Gegenwart. [...]
Im Neuen Testament, als Jesus am See von Gennesaret seine ersten Jünger rief und das Wunder des außerordentlichen Fischfangs wirkte, fiel Simon Petrus ihm zu Füßen und sagte: » Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder « (Lk 5,8). Die Antwort ließ nicht auf sich warten: » Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen « (V. 10). Und als einer der Jünger Jesu ihn bat: » Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns «, antwortete der Meister: » Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen « (Joh 14,8-9). [...]
Ja, liebe junge Freunde, der Herr will uns begegnen, sich von uns „schauen“ lassen. „Und wie?“, könnt ihr mich fragen. Auch die heilige Teresa von Avila, die vor genau 500 Jahren in Spanien geboren wurde, sagte schon als kleines Mädchen zu ihren Eltern: » Ich will Gott sehen. « Später hat sie den Weg des Gebetes entdeckt als » eine innige freundschaftliche Beziehung zu dem, von dem wir uns geliebt fühlen « (Das Buch meines Lebens, 8,5). Deshalb frage ich euch: Betet ihr? Wisst ihr, dass ihr mit Jesus, mit dem Vater, mit dem Heiligen Geist sprechen könnt, wie man mit einem Freund spricht? Und nicht mit irgendeinem Freund, sondern mit eurem besten und vertrauenswürdigsten Freund! Versucht es einmal, in Einfachheit. Ihr werdet das entdecken, was ein Bauer aus Ars zu dem heiligen Pfarrer seines Dorfes sagte: » Ich schaue ihn an, und er schaut mich an «, wenn ich vor dem Tabernakel bete (Katechismus der Katholischen Kirche, 2715).
Noch einmal lade ich euch ein, dem Herrn zu begegnen, indem ihr häufig in der Heiligen Schrift lest. Wenn ihr diese Gewohnheit noch nicht habt, fangt mit den Evangelien an. Lest jeden Tag einen Absatz. Lasst das Wort Gottes zu euren Herzen sprechen und eure Schritte erleuchten (vgl. Ps 119,105). Ihr werdet entdecken, dass man Gott auch im Gesicht der Mitmenschen „schauen“ kann, besonders derer, die am meisten vergessen sind: die Armen, die Hungrigen, die Durstigen, die Fremden, die Kranken, die Gefangenen (vgl. Mt 25,31-46). Habt ihr das nie erfahren? Liebe junge Freunde, um in die Logik des Gottesreiches einzutreten, muss man sich als Armer mit den Armen erkennen. Ein reines Herz ist notwendig auch ein entblößtes Herz, das versteht, sich zu erniedrigen und das eigene Leben mit denen zu teilen, die am meisten Not leiden. [...]
Einige von euch spüren oder werden spüren, dass der Herr sie zur Ehe, zur Gründung einer Familie beruft. Viele meinen heute, diese Berufung sei „veraltet“, aber das ist nicht wahr! Genau aus diesem Grund erlebt die gesamte Gemeinschaft der Kirche eine besondere Zeit des Nachdenkens über die Berufung und Sendung der Familie in der Kirche und der Welt von heute. Darüber hinaus lade ich euch ein, die Berufung zum geweihten Leben oder zum Priestertum in Betracht zu ziehen. Wie schön ist es, junge Menschen zu sehen, die die Berufung ergreifen, sich völlig Christus und dem Dienst seiner Kirche hinzugeben! Fragt euch mit lauterem Herzen, und habt keine Angst vor dem, was Gott von euch erbittet! Aufgrund eures „Ja“ zum Ruf des Herrn werdet ihr neues Saatgut der Hoffnung in der Kirche und in der Gesellschaft werden. Vergesst nicht: Der Wille Gottes ist unser Glück! ...

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