Kann Abtreibung Menschenrecht sein?

Das Europaparlament hat am Dienstag die Diskussion über zwei Berichte begonnen, die Paragraphen für ein „Recht auf Abtreibung" enthalten. Der nach dem belgischen Sozialisten Marc Tarabella benannte Bericht fordert freie und ungefährliche Abtreibung als "Recht der Frauen, allein über ihren Körper zu verfügen" im Zuge der "Reduzierung von Ungerechtigkeit". 

Dazu einige lose, unsortierte Gedanken: 

  • Menschenrechte sind als Rechte definiert, auf die ein Mensch allein weil er ein Mensch ist, einen Anspruch hat. Sie sind keine Privilegien, die einem nach Lust und Laune entzogen werden können. Es ist also etwas, was alle Menschen betrifft, also etwas, das verallgemeinert werden kann. Die individuelle Notsituation einer Frau nun so zu verallgemeinern, finde ich nicht richtig. Die Entscheidung, die eine Frau in einer Notsituation trifft, kann für eine andere Frau in einer ähnlichen Situation grundverkehrt sein.  
  • Hier werden biologische Fakten negiert. Ein Mensch entsteht durch die Verschmelzung von Ei und Samenzelle. Abtreibung ist also Tötung eines Menschen. Wenn man darauf ein Anrecht für alle Menschen fordert, kann man genauso gut die Todesstrafe und die Guillotine wieder einführen. Wer entscheidet eigentlich, welcher Mensch leben darf und welcher nicht?
  • Wenn man sieht, wie sehr sich Frauen (und Männer) schon ab dem positiven Ergebnis eines Schwangerschaftstests freuen können, wenn das Kind erwünscht ist, zweifelt niemand an diesen biologischen Fakten. Ab diesem Zeitpunkt ist eine Frau zur Mutter geworden, ein Mann bereits Vater. Das sieht z.B. auch in den Fällen, wenn eine Frau ihr Kind in der Schwangerschaft verliert (Abgang). Niemand wird die Trauer von Frauen und Männern in solchen Fällen leugnen. Aber das es im Fall einer Abtreibung etwas ähnliches geben könnte (Post abortion syndrom), das darf natürlich nicht sein.
  • Ehrlich gesagt, interessieren mich statistische Rückgänge von Abtreibungen nicht die Bohne. Jede Abtreibung ist eine zuviel, ist ein Mensch, der nicht geboren wird. Aus Gründen, welche seine Umwelt definiert. Dementsprechen wurden im Jahr 2014 in Deutschland  99 700 Menschen nicht geboren. Ich persönlich würde sie gerne kennenlernen und bin traurig darüber, dass es sie nicht gibt. 
  • Hat eigentlich irgendjemand im EU-Parlament nur ein einziges Mal an die Kinder gedacht? An die 99 700, die in Deutschland nicht geboren und an die anderen. Ich finde nämlich, dass diese ganze Diskussion eine Riesenohrfeige gegenüber allen diesen Kindern sind. Man sagt ihnen damit, "gut, dass ihr nicht geboren wurdet. Auf euch kann die Welt verzichtet. Wir sind froh, dass euch nicht gibt. Es darf euch nicht geben." Wie würden wir uns fühlen, wenn uns solches ins Gesicht gesagt würde?

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