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Samstag, 25. Juli 2015

Was hat die PKK mit Che Guevara zu tun?

Ich bin verwirrt, gebe ich gern zu. Heute protestieren sie in Frankfurt gegen das Verbot der kurdischen Arbeiterpartei PKK. Im Zuge politischer Pluralität vielleicht durchaus ein ehrenwertes Anliegen. Vor allem da die Kurden im Irak wenigstens ihren christlichen und jesidischen Mitbürgern gegen die ISIS beistehen. Aber was hat die PKK mit der Internationalen, Che Guevara und dem italienischen Partisanenlied "Bella Ciao" zu tun? Habe entsprechende Flaggen gesehen und das Lied gerade gehört. Und wieso wird es als Provokation seitens der Polizei aufgefasst, wenn Eindatzfahrzeuge die Demo vorne und hinten schützen (müssen)?

Kommentare:

Ester hat gesagt…

Ist das eine ernstgemeinte Frage?

Gertie di Sasso hat gesagt…

Ja, die Frage ist ernst gemeint. Ich kenne mich da politisch nicht so aus, vor allem bei nicht-deutschen Parteien.

Ester hat gesagt…

also soweit ich weiß ist die PKK eine superlinke Gruppierung, wie die ETA; die IRA und andere die zwar einerseits es mit dem Internationalismus Lenins "haben", andererseits aber ganz nationalistisch (was im Grunde ein Widerspruch ist, aber das ist denen egal) sind.
Die dahinter steckende Logik ist krude aber einfach. An allem Elend ist der IMperialismus schuld und wir, wir sind einfach dagegen, destruktiv, weil wenn alles in Scherben fällt, dann wird es gut, weil Zwang ja böse ist.......

Gertie di Sasso hat gesagt…

Gerade deswegen war ich ja so verwirrt. Diese Bestreben nach einem nationalen kurdischen Staat hätte ich doch nie mit tiefroten Kommunisten in Verbindung gebracht. Linke sind also bei der Zusage linker Solidarität wenig wählerisch ob der Unterschiede in Geschichte, Länder, konkreter Absichten der verschiedenen Strömungen. Hauptsache: dagegen.

Ester hat gesagt…

Ja! so ist es, es kommt nicht auf die Sache an, sondern auf die Person die für oder gegen was ist.
Also wenn du oder ich für eine autonome Republik katholischer Taunus wären, wäre das böse, weil du und ich, eben katholisch und damit automatisch rechtsradikal, rassistisch und dergleichen sind.
Wenn andere für die autonome Republik (atommülllager)freies Wendland sind, wo kein anderer reindürfte und man sich Samstags mit über die Grenze aus schwärmen und Rassisten verprügeln amüsierte, wäre das selbstverständlich gut, weil die die guten sind.

Taras Sirko hat gesagt…

Bis zum Ende des 1. Weltkriegs lebten die Kurden in der osmanischen Provinz Kurdistan. Mit der Niederlage der Achsenmächte in diesem Krieg zerfiel als Folge auch das Osmanenreich. Das kurdische Siedlungsgebiet wurde verschiedenen neuen Staaten zugeschlagen, die von den Siegermächten auf dem Reißbrett entworfen wurden: Türkei, Syrien und Irak. Seither kämpfen die Kurden um einen eigenen Staat.

Dabei entwickelten sich verschiedene Ideologien und Strömungen. Während die irakischen Christen in der Mehrheit konservativ sind, herrschen bei den syrischen und türkischen Kurden vornehmlich linke Gesinnungen vor. Trotz dieser Differenzen verfolgen sie ein gemeinsames Ziel: den Staat Kurdistan. Und derzeit kämpfen sie gegen einen gemeinsamen Feind: den IS. Dabei schützen übrigens auch die linken Kurden religiöse und ethnische Minderheiten.

USA, BRD und andere Staaten unterstützen seit Beginn des Kampfes der Kurden gegen den Terrorstaat IS die irakischen Kurden, Linksgerichtete favorisieren dagegen die syrischen und türkischen Kurden, und die Türken bombardieren mittlerweile alle Kurden plus die säkulare Freie Syrische Armee.

So ist - kurz und knapp - die Situation.

Gertie di Sasso hat gesagt…

Merke: Staaten vom Reißbrett entwerfen ohne auf die real existierenden Gegebenheiten zu schauen, ergibt dicke Probleme. Wem hätte es eigentlich weh getan nach Ende des Ersten Weltkriegs gleich einen eigenen Staat Kurdistan zu schaffen, wenn schon die Türkei, Syrien und Irak in ihrer heutigen Form erst "künstlich" geschaffen wurden?

Auf jeden Fall wieder herzlichen Dank dem Ataman Sirko für seine ebenso knappe wie präzise Erklärung der Geschichte.

Taras Sirko hat gesagt…

Richtig gemerkt, liebe Gertie ;-)

Ein kaum bekanntes Beispiel: Die Massai leben im Grenzgebiet zwischen Kenia und Tansania. Um ihre Herden, die ihren einzigen Lebensunterhalt darstellen, satt zu bekommen, müssen sie die Weiden auf beiden Seiten der Reißbrett-Grenze nutzen und diese Linie "illegal" überschreiten. Dabei kommt es immer wieder zu gewaltsamen Akten, die jedoch hierzulande des Berichtens nicht wert sind.

Nicht nur in Kurdistan, auch in anderen Regionen der Welt, rufen die willkürlichen Zuordnungen von unterschiedlichen Menschengruppen zu künstlich entworfenen Staaten immer wieder teils blutigen Auseinandersetzungen hervor. Diese werden besonders heftig ausgetragen, wenn es sich bei den "neuen Bevölkerungen" nicht nur um ethnisch unterschiedliche Gruppen handelt, sondern auch zusätzlich um religiös oder kulturell verschiedene. Auch ein Beispiel: Nigeria. Die Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen, sind nicht nur religiöser Natur, sondern auch ein alter Konflikt zwischen Niedergelassenen (meist Christen) und Nomaden (meist Muslime).

[Die deutsche Kolonialmacht war damals übrigens besonders "clever". Sie hat die Ureinwohner in ihren sogenannten Schutzgebieten ungeachtet der Stammeszugehörigkeiten schlicht in Hottentotten (Ackerbauern und Viehzüchter) und Buschmänner (Jäger und Sammler) unterteilt und unterschiedlich behandelt. Einige der Stämme und Clans waren aber beides, also wurden sie per Verfügung auseinandergerissen und mit völlig fremden Stämmen neu zusammengefügt. Dies wirkt sich bis heute negativ aus.]