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Samstag, 3. Januar 2015

15 Krankheiten, 15 Vorsätze

Die "Gardinenpredigt", die Papst Franziskus vor Weihnachten 2014 den Kurienmitgliedern gehalten, gilt auch jedem einzelnen von uns. Wer sind wir, dass wir über "die da oben"  die Nase rümpfen dürften. Niemandes Weste ist ständig so rein, als er sich nicht angesprochen fühlen könnte. Außerdem erwähnt Papst Franziskus selbst, dass "diese Krankheiten und diese Versuchungen natürlich eine Gefahr für jeden Christen und für jede Kurie, Gemeinschaft, Kongregation, Pfarrei und kirchliche Bewegung [sind], und sie können auf individueller wie auf gemeinschaftlicher Ebene auftreten". Daher werde ich - als das kleinste Glied am Leib Christi, das ich bin - mich für die Vorsätze des noch jungen Jahres 2015 von den 15 Krankheiten inspirieren lassen.

Ein Kurienmitglied das sich nicht täglich von dieser Speise ernährt, wird ein Bürokrat (ein Formalist, ein Funktionalist, ein bloßer Angestellter): eine Rebe, die austrocknet und allmählich stirbt und weggeworfen wird. Das tägliche Gebet, der regelmäßige Empfang der Sakramente – besonders der Eucharistie und des Bußsakramentes –, der tägliche Kontakt mit dem Wort Gottes und die in gelebte Nächstenliebe übersetzte Spiritualität sind die lebenswichtige Nahrung für jeden von uns. Möge uns allen klar sein, dass wir ohne ihn nichts tun können (vgl. Joh 15,5). [...]Ich glaube, dass der „Katalog“ der Krankheiten, von dem wir heute sprechen wollen – ein Katalog nach dem Beispiel der Wüstenväter, die solche Kataloge aufstellten –, uns hilfreich sein wird: Er wird uns helfen, uns auf das Sakrament der Versöhnung vorzubereiten – ein schöner Schritt von uns allen in unserer Vorbereitung auf Weihnachten [und ins neue Jahr].

1. Die Krankheit, sich „unsterblich“, „immun“ oder sogar „unentbehrlich“ zu fühlen und so die notwendigen und üblichen Kontrollen [Selbstkritik] zu unterlassen.
Meine Arbeit mit dem Augen des Vorgesetzten zu sehen und Kritik als Anlass zur Verbesserung zu nehmen.

2. Eine weitere Krankheit ist der „Martalismus“ (von „Marta“ abgeleitet), der übertriebene Fleiß: die Krankheit derer, die sich in die Arbeit versenken und dabei unvermeidlich „das Bessere“ vernachlässigen, nämlich sich Jesus zu Füßen zu setzen (vgl. Lk 10,38-42). 
Die Balance wieder finden. Ora et labora. Gott zuerst. Regelmäßig Zeiten für's Gebet und die hl. Messe planen und einhalten.

3. Es gibt auch die Krankheit der geistigen und geistlichen „Versteinerung“: die Krankheit derer, die ein Herz von Stein haben und „halsstarrig“ sind (vgl. Apg7,51); die unterwegs die innere Gelassenheit, die Lebendigkeit und die Kühnheit verlieren, sich hinter den Schriftstücken verstecken.
Nicht vor lauter Vorschriften und Regelungen, die auch befolgt werden müssen, die Menschen dahinter übersehen. 

4. Die Krankheit der Planungswut und des Funktionalismus: wenn der Apostel alles minuziös genau plant und glaubt, dass mit einer perfekten Planung die Dinge wirklich vorankommen, er aber auf diese Weise ein Buchhalter wird oder ein Betriebswirt.  
Planung, gute Selbstorganisation ist wichtig. Jedoch: Der Mensch denkt und Gott lenkt. 

5. Die Krankheit der schlechten Koordination: wenn die Glieder nicht mehr gemeinschaftlich miteinander verbunden sind und der Leib seine harmonische Funktionsfähigkeit und sein Maß verliert. 
Besonders wenn die Abteilungen auf verschiedene Standorte verteilt sind, ist gute Kommunikation unerlässlich. Lieber eine Mail zuviel geschrieben oder ein Telefonat zuviel geführt, als eins zuwenig.

6. Es gibt auch die Krankheit des „geistlichen Alzheimer“: das Vergessen der eigenen „Heilsgeschichte“, der persönlichen Geschichte mit dem Herrn, der » ersten Liebe « (Offb 2,4). Es handelt sich um einen fortschreitenden Verfall der spirituellen Fähigkeiten, der früher oder später zu schweren Behinderungen des Menschen führt und  ihn unfähig werden lässt, autonom zu handeln, da er in einem Zustand absoluter Abhängigkeit von seinen oft unwirklichen Vorstellungen lebt.
Das klingt hart und mag denjenigen, die tatsächlich an dieser neurologischen Krankheit leiden, bitter Unrecht tun. Für mich bleibt die Lektion: Gott kommt zuerst. Auch in Stunden der Dunkelheit, der Stille halte die Treue. Die Treue im Kleinen. Und sei erfinderisch in den kleinen Ausdrücken der Liebe - ein Blick, ein Stoßgebet - damit deine Liebe immer jung bleibe, wie der Morgen. 

7. Die Krankheit der Rivalität und der Eitelkeit. wenn die äußere Erscheinung, die Farbe der Talare und die Ehrenabzeichen zum vorrangigen Lebensziel werden und man die Worte des heiligen Paulus vergisst: » …dass ihr nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei tut.
Das äußere Erscheinungsbild sollte gepflegt sein, es ist aber nicht alles. Und, nicht mehr scheinen wollen, als man ist.

8. Die Krankheit der existenziellen Schizophrenie. Es ist die Krankheit derer, die ein Doppelleben führen, Frucht der typischen Heuchelei des Mittelmäßigen und der fortschreitenden spirituellen Leere, die durch Diplome und akademische Titel nicht gefüllt werden kann.
Auch dies klingt in der Bezeichnung härter als es vielleicht gemeint ist. Ich höre hier heraus: kein Doppelleben führen, mit dem Leben das abbilden, an was man glaubt.

9. Die Krankheit des Geredes, des Gemunkels und des Tratsches. Von dieser Krankheit habe ich schon viele Male gesprochen, aber nie genug. Es ist eine schwere Krankheit, die ganz einfach beginnt – vielleicht nur, um ein kleines Schwätzchen zu halten – und sich dann des Menschen bemächtigt, ihn zum „Unfriedenstifter“ (wie Satan) macht  und in vielen Fällen zum „kaltblütigen Urheber von Rufmord“ der eigenen Kollegen und Mitbrüder.
Wenn ich im Gespräch über eine Person nichts Gutes über diese Person zu sagen weiß, lieber schweigen. Besser, gar nicht erst über abwesende Personen sprechen. Auch nicht über Politiker, Bischöfe, Priester, Journalisten usw.

10. Die Krankheit, die Vorgesetzten zu vergöttern: Es ist die Krankheit derer, die ihre Oberen hofieren in der Hoffnung, deren Gunst zu erlangen. Sie sind Opfer des Karrierismus und des Opportunismus; sie ehren Menschen und nicht Gott (vgl. Mt 23,8-12).
Auch Chefs sind nur Menschen. *frechgrins*

11. Die Krankheit der Gleichgültigkeit gegenüber den anderen: wenn einer nur an sich selber denkt und die Aufrichtigkeit und Herzlichkeit der menschlichen Beziehungen verliert.
Auch Beziehungen wollen regelmäßig gepflegt. Bei großer Entfernung geht das auch via Telefon, E-Mail, Facebook, WhatsApp etc. 

12. Die Krankheit der Totengräbermiene. Es ist die Krankheit der Mürrischen und Griesgrämigen, die meinen, um seriös zu sein, müsse man ein trübsinniges, strenges Gesicht aufsetzen und die anderen – vor allem die, welche man niedriger einstuft – mit Strenge, Härte und Arroganz behandeln.
 Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch! (Phil 4,4)

13. Die Krankheit des Hortens: wenn der Apostel eine existenzielle Leere in seinem Herzen zu füllen sucht, indem er materielle Güter anhäuft, nicht aus Notwendigkeit, sondern nur, um sich sicher zu fühlen.
Selbsterklärend. 

14. Die Krankheit der geschlossenen Zirkel, wo die Zugehörigkeit zum Grüppchen stärker wird als die zum Leib und – in einigen Fällen – zu Christus selbst.
Das Zusammenkommen in Gebets- und Hauskreisen oder den örtlichen Vereinen (Kolping, Pfadfinder usw.) ist an sich gut und bestärkend. Man sollte sich allerdings regelmäßig den größeren Sinn dieser Zusammenkünfte vor Augen halten und die Verbindung zu Jesus nicht vergessen.

15. Und die letzte Krankheit: die des weltlichen Profits, der Zurschaustellung, wenn der Apostel seinen Dienst in Macht und seine Macht in Ware verwandelt, um weltlichen Nutzen oder mehr Einfluss zu gewinnen. Es ist die Krankheit der Menschen, die unersättlich danach streben, Machtbefugnisse zu vervielfältigen, und die fähig sind, zu diesem Zweck die anderen zu verleumden, zu diffamieren und zu diskreditieren, sogar in Zeitungen und Zeitschriften. 
Dies ist eine große Versuchung derjenigen, die bereits von der Macht gekostet haben, besonders der Politiker; von kommunaler Ebene bis hinauf zur Bundesregierung. Oder die Vorsitzenden börsennotierter Konzerne.  Oder auch die Diözesanbischöfe in unseren finanziell so gut abgesicherten deutschen Bistümern. Mein Vorsatz: Wann immer ich hier in die Versuchung des Ärgers gerate, empfehle ich den Betreffenden ausdrücklich dem Herzen Jesu. 


In diesem Sinne wünsche ich auch allen geneigten Lesern ein reich gesegnetes Jahr 2015 A.D.! 

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