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Mittwoch, 19. Juli 2017

Fernsehserie "Der junge Papst" - Ein faszinierender Blick auf Papsttum und Kirche

Wenn das Label "Papsting" einmal so richtig passt, dann jetzt, wenn es um eine Besprechung der neuen Fernsehserie "The Young Pope" (dt. Der junge Papst) geht. Eigentlich springe ich ja nicht über jedes Stöckchen begeisterter Kommentare, die einen dazu animieren wollen, etwas Neues unbedingt zu lesen oder zu sehen. Aus diesem Grund kommen meine 2cents auch erst jetzt, nachdem mancherorts der Hype um Sorrentinos Serie bereits abgeflaut ist. Aber diesmal konnte ich nicht länger widerstehen:  Jude Law sieht selbst in weißer Soutane unübertroffen gut aus und die Zigarette im Mundwinkel unterstreicht das noch. Ein wenig erinnert Pius XIII an den ebenfalls fiktiven Monsignore Lorenzo Farnese mit Rockerkopftuch aus Mme Elsas Blognovela, die bislang unvollendet blieb. Leider, leider, schnüff.

Natürlich ist Sorrentinos junger Papst erst einmal ein Gedankenexperiment. Allein aufgrund seiner Herkunft (USA, einer der größten weltpolitischen Player) und seines Alters (Anfang 40, jünger als alle Päpste der Neuzeit). Und trotz seines unbestreitbaren Charmes ist er von verstörender Schroffheit. Als Antwort auf die sinkenden Zahlen von Gottesdienstbesuchern und Berufungen versucht er den radikalen Schritt hin zur "kleinen Herde". Mit der Weigerung seines fiktiven Papstes, sogar sich selbst überhaupt zu zeigen, führt Sorrentino die vatikanische Medienarbeit der letzten Jahrzehnte ad absurdum. Die Idee dahinter ist simpel: Er stellt das Mysterium in den Mittelpunkt. Das Mysteriöse, Versteckte und Verbotene trägt von jeher eine geheimnisvolle Anziehungskraft in sich. Seltsamerweise wollen wir Menschen das, was wir nicht haben können am meisten. Diese Erkenntnis möchte sich der junge Papst für seine Kirche zunutze machen. Es stimmt ob der ostentativen Hinwendung zur Tradition (rote Schuhe, Mozzetta, roter Saturno, Seda gestatoria uvm) zumindest nachdenklich und stellt die Frage, ob der Bildersturm der 1970er Jahre nicht doch etwas zu heftig war. Eine Sehnsucht nach sinnlichen Eindrücken auch im religiösen Bereich scheint ja doch geblieben zu sein.

Viel wurde bereits über die angeblichen Zweifel des jungen fiktiven Papstes geschrieben. Ein "Papst mit Glaubenszweifeln" jubelte die Presse, "ein zerrissener Papst", der "Papst glaubt nicht an Gott". Letzteres würde ich, nachdem ich die ganze Serie (die leider nur aus einer Staffel besteht) gesehen habe, nachdrücklich bestreiten. Natürlich glaubt Pius XIII an Gott. Er ist ihm, der in einem katholischen Waisenhaus aufgewachsen ist, so selbstverständlich wie das Atmen. Er spürt ihn nicht immer und aus diesem Nicht-spüren erwächst etwas, was der berühmten "Nacht des Glaubens" sehr nahe kommt. Dass er trotz allem seine Beziehung zu Gott und seine priesterliche Berufung auch kritisch reflektiert ist weder revolutionär noch neu. Im Gegenteil. "Die zweite Berufung ist schwieriger und vorbelastet im Vergleich zur ersten. Man muss nicht mehr den Enthusiasmus der Jugend bändigen. Nein, jetzt ringt man mit der Ernüchterung und der Begrenztheit der Vernunft" lässt Paolo Sorrentino Kardinal Spencer zu seinem päpstlichen Schützling sagen. Ich finde das klingt sehr realistisch.

Natürlich gibt es auch die verstörenden Bilder und überzeichneten Darstellungen mit denen für die Serie geworben wurde. Weder Sorrentino noch sein Hauptdarsteller sind gläubige Menschen. Leider. Es wird Machtmissbrauch in verschiedenen Formen gezeigt und Menschen, die ganz ungeniert ihre Gott gegebenen Versprechen brechen, besonders in sexueller Hinsicht. Man muss ja auch nicht allem und jedem zustimmen. Immerhin ist es auch nur Kunst. Alles in allem würde ich aber sagen, dass Sorrentino eine Interpretation des Papsttums gelungen ist, die das Hinschauen lohnt.

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