Sonntag, 13. Dezember 2015

Chiara und Enrico: Eine Liebe für die Ewigkeit

Alles annehmen, was aus Gottes Hand kommt. Chiara Corbella Petrillo tat dies und noch viel mehr mit einem Lächeln. Geboren 1984, im selben Jahr wie meine Wenigkeit, gehörte sie zur "Generation Weltjugendtag". Eine junge Frau, aufgewachsen in Italien, katholisch sozialisiert, auf den ersten Blick eine unter Tausenden. Und doch bekamen die Menschen bei ihrer Beerdigung eine Ahnung vom Himmel. Heute noch haben ihre Freunde Sternchen in den Augen, wenn sie von Chiara erzählen. Von ihrer Freude, ihrem Lachen und ihrer inneren Stärke. Ihr Ehemann Enrico spricht von einer "Liebesgeschichte am Kreuz".

Die Geschichte beginnt in einer Pilgergaststätte in Medjugorje, sie ist 18, er 23 Jahre alt. Auf den ersten Blick klingt es nach Hollywood, Liebe auf den Blick, jung, gläubig und verliebt. Natürlich verlief auch diese Beziehung nicht geradelinig, welche Liebesgeschichte tut das schon. Mehrere Male trennten sie sich, beschlossen jedoch nach einer gemeinsamen Pilgerfahrt nach Assisi, ihren Lebensweg gemeinsam und mit Gott weiterzugehen. 2008 heirateten sie und als Chiara bald darauf schwanger wurde, schien das Glück perfekt.

Aber die Erde ist kein Paradies mehr und als bei einer routinemäßigen Ultraschalluntersuchung eine schwere Fehlbildung des ungeborenen Mädchens festgestellt wurde, mussten Chiara und Enrico sich mit dem Gedanken auseinandersetzen, dass ihrem Kind womöglich nur wenige Tage auf Erden vergönnt sein würden. Wohlmeinende Mitmenschen schlugen ihnen auch eine Abtreibung vor, mit der Nonchalance jener Kultur des Todes, welche Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen heute gerne ganz vermeiden würde. Die kleine Maria lebte nur 30 Minuten, ebenso, wie kurz darauf, ihr Bruder Davide. Auch bei ihm fehlten bereits im Mutterleib lebenswichtige Organe, auch ihn trug Chiara mit der gleichen Liebe 9 Monate unter dem Herzen, ließ ihn auf die Welt kommen und legte ihn voller Vertrauen in die "Arme des himmlischen Vaters zurück". Später einmal sollte Enrico sagen, dass Chiara und er von ihren Kindern gelernt hätten, "dass es keinen Unterschied gebe zwischen einem Leben, welches 30 Minuten oder welches 100 Jahre dauere." Im Jahr 2010 wurde Chiara zum dritten Mal schwanger und die Ärzte sagten, das Kind entwickle sich diesmal normal. Kurz darauf wurde bei ihr ein aggressiver Tumor diagnostiziert und man riet zu einer Therapie, welche ein Risiko für die Schwangerschaft bedeutet hätte. Wie Gianna Beretta Molla entschied sich auch Chiara dafür, ihr Baby zu schützen und verschob die Therapie auf die Zeit nach der Geburt. Der kleine Francesco wurde im Mai 2011 geboren. Sie genossen die Zeit mit ihrem neugeborenen Sohn, ein kurzes, geliehenes Glück. Der Tumor stellte sich als bösartig heraus, breitete sich von der Zunge über den Nacken bis zum Auge aus. Man sieht Chiara auf Fotos fast nur mit einer Augenklappe, die jedoch dem Strahlen in ihrem lachenden Gesicht keinen Abbruch tut. „Es war wundervoll, zu entdecken, dass unsere Liebe angesichts der Probleme mehr und mehr wuchs", sagte Enrico über jene Zeit, „wir wuchsen mehr und mehr in der Liebe zueinander und zu Jesus." Wie viel Wärme und Reife spricht aus solchen Worten! Wie nah sie Jesus in wenigen Monaten gekommen sein muss, denn als ihr Mann sie einmal fragte, "ob dieses Kreuz tatsächlich so süß sei, wie der Herr sagt" (er hatte sie ihm Rollstuhl in die Krankenhauskapelle vor das Allerheiligste geschoben), da antwortete Chiara mit einem Lächeln: "ja, es ist unendlich süß."

Am 13. Juni 2012 starb Chiara Corbella Petrillo; ihr Mann und ihre Freunde bezeichnen jenen Tag mit der Zuversicht gläubiger Menschen als ihren Geburtstag zum Himmel. In einem Brief an ihren kleinen Sohn verabschiedete sie sich mit den Worten: "Ich gehe in den Himmel, um mich um deine Geschwister zu kümmern. Du bleibst hier bei Papa." Bei der Trauerfeier in einem Vorort von Rom drängten sich hunderte Menschen in der Kirche. Sie alle waren gekommen um eine Messe zu erleben, die so ganz anders war als es Trauerfeiern normalerweise sind: niemand war schwarz gekleidet, die zelebrierenden Priester trugen weiße Messgewände und Chiara wurde in ihrem Brautkleid bestattet. Auch die Gebete und Lieder waren dieselben wie auf der Hochzeit, Enrico sang sogar das Lied, welches er vier Jahre zuvor für seine Braut geschrieben hatte. Die Familie habe gesehen, so Enrico weiter, "dass Chiara nicht friedlich, aber fröhlich starb, was ein totaler Unterschied sei. Wenn sein Sohn heranwachse, werde er ihm erklären, "wie schön es sei, sich von Gott lieben zu lassen, denn wenn man sich geliebt fühlt, kann man alles tun". "Das Wichtigste im Leben ist: sich lieben zu lassen, um zu lieben und um fröhlich zu sterben".

Kommentare:

cordulchen hat gesagt…

Danke für diese Zeilen!

Gertie di Sasso hat gesagt…

Da fällt mir eine andere Chiara ein, die ebenfalls "nicht friedlich aber fröhlich starb" und zum Zeichen für viele wurde: Chiara 'Luce' Badano.