Montag, 14. Dezember 2015

B wie Barmherzigkeit

>>Das Wort „Barmherzigkeit“ist eine Lehnübersetzung des lateinischen „misericordia“, das aus zwei Begriffen zusammengesetzt ist: miseria = Elend und cors = Herz. Das Herz bezeichnet die Fähigkeit zu lieben; die Barmherzigkeit ist die Liebe, die das Elend des Menschen umgreift. Es ist eine Liebe, die unsere Bedürftigkeit und Ärmlichkeit „mitfühlt“, als sei sie die eigene, um uns aus ihr zu befreien. »Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns [zuerst] geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat« (1 Joh 4,10). »Das Wort ist Fleisch geworden (Joh 1,14)« – auch am Gnostizismus hat Gott kein Gefallen – und wollte all unsere Gebrechlichkeiten mit uns teilen. Gott wollte unseren menschlichen Zustand erfahren bis zu dem Punkt, am Kreuz alles Leid des menschlichen Lebens auf sich zu nehmen. Das ist der Abgrund seines Mitleids und seiner Barmherzigkeit: ein Sich-Entäußern um zum Gefährten und Diener der verwundeten Menschheit zu werden. Keine Sünde kann seine barmherzige Nähe zunichte machen, noch ihn daran hindern, seine Gnade für die Umkehr wirken zu lassen, vorausgesetzt, dass wir sie erbitten. Ja, die Sünde selbst lässt die Liebe Gottes des Vaters noch stärker erstrahlen: Um den Knecht zu erlösen, hat er seinen Sohn hingegeben. Diese Barmherzigkeit Gottes kommt zu uns mit der Gabe des Heiligen Geistes, der in der Taufe das neue Leben seiner Jünger möglich macht, es hervorbringt und nährt. So groß und schwer die Sünden der Welt auch sein mögen – der Heilige Geist, der das Angesicht der Erde erneuert, ermöglicht das Wunder eines menschlicheren Lebens voller Freude und Hoffnung.<<

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