Ave Roma (jetzt erst recht!)

Fremde glaubt' ich zu grüßen, 
Heimat winkt mir nun: 
Rom, zu deinen Füßen
Ist tief zu ruhen!

Rom, vor deinen Mauern
Gelten nicht Volk noch Land, 
Wie mit Todesschauern
Machst du verwandt!

Auf deinen Hügeln klagen
Schatten jeder Zeit, 
Aber darüber ragen
Wächter der Ewigkeit. 

Uns're Geschlechter umranken 
Dich wie welkes Laub, 
Doch uns're höchsten Gedanken
Sind in dir gebaut. 

Lehre von Stunden, die schwinden, 
Lehre von Wahn und Streit, 
Ewige, heim mich finden
Zur Ewigkeit!

Über den Pfad, den ich schreite, 
Über das Los, das mir fällt, 
Hebe mich aufwärts, weite
Mich, Herz der Welt! - 

Heimat ward mir beschieden
Wie im Meere dem Strom: 
Gib meiner Seele Frieden, 
Heiliges Rom!

Gertrud von Le Fort, 1907

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