Beitrag der Woche

Am Amte hängt, zum Amte drängt doch das alles

Schön langsam fühlt man sich wirklich wie in dem Film "...und täglich grüßt das Murmeltier". Pünktlich zum Gedenktag der hl. Cater...

Mittwoch, 25. Mai 2016

Was bedeutet mehr in der Kirche? Titel oder Dienst?

Wenn man die lauten Forderungen katholischer Laienverbände glaubt, die rund um den Gedenktag der heiligen Kirchenlehrerin Katharina von Siena jedes Jahr wieder vorgebracht werden, könnte man auf die Idee kommen, dass in der Kirche nur derjenige zählt, der irgendwelchen formellen Einfluss hätte. Ein offzielles Amt innehaben, eine Funktion bekleiden, mit einem Titel angesprochen zu werden, Macht auszuüben, darauf scheint es anzukommen. Als "einfacher Gläubiger" (generisches Maskulinum), der in die Kirche geht, weil er in der Heiligen Messe und den Sakramenten dem Herrgott begegnen möchte, in Andachten oder Gemeindearbeit sich für andere aufopfert, scheint man keine Rechte zu haben. Zumindest nicht in den Augen der sogenannten "Engagierten Laien". In deren Augen sind die oft lautlos Tätigen und Betenden nur hammelhaft unmündige Arme, die aus ihrem Kinderglauben befreit werden müssen. Sie sehen nur diejenigen, "die im Licht" des Altarraum stehen, "die im Dunkel" des Alltags sehen sie nicht. Anders ist das wiederholte Herumreiten auf dem Thema Priestertum der Frau nicht zu erklären, wobei die Realistischeren unter ihnen erst mal auf dem Diakonat für die Frau bestehen. Auch wenn Bibel und Kirchengeschichte sonst nicht zu den bevorzugten Quellen jener Kleingeister gehören, werden die früh- und ostkirchlichen Diakonissen eifrig bemüht, wenn damit an der Sakramentalität des dreistufigen Weiheamtes (Diakon - Priester - Bischof) gekratzt werden kann. Da wird dann sogar die Autorität des Papstes bemüht, wenn jener gegenüber Ordensoberinnen verlauten lässt, dass er eine Kommission einrichten möchte, "die die Aufgaben der Diakoninnen der frühen Kirche klärt, um daraus etwaige Schlussfolgerungen für eine zukünftige kirchliche Praxis zu ziehen." 

Wenn man sich die Ansprache des Papstes allerdings genauer anschaut, stellt sie sich im Wortlaut wesentlich weniger revolutionär dar, als gedacht. Da διακονία diakonía schlicht ‚Dienst‘ heißt, geht es bei der "Frage des Handelns" sehr schnell um die Frauen geweihten Lebens, die bereits sehr viel für Armen tun und also mit den Diakonissen des frühen Christentums vergleichbar wären. Und die Bloggerin Braut des Lammes weist auf andere bereits bestehende, spezifisch weibliche Berufungen in der Kirche hin, namentlich die Apostolatshelferin, die allerdings hierzulande fast dem Vergessen anheim gefallen ist. "Ob das wieder einmal damit zu tun hat, daß diese oft unerkannt unter den Menschen leben, oder damit, daß es eine Berufung ist, in der Jesus einen Menschen auffordert, alles zu lassen und ihm nachzufolgen, mithin eine zölibatäre, wer vermag das zu sagen?" fragt die Braut des Lammes und fährt erklärend fort:  "Die Apostolatshelferin ist dem Bischof unterstellt, der wiederum darauf vertrauen kann, daß sie jede Tätigkeit als Sendung annehmen wird, die er für die Ortskirche als notwendig ansieht, um den Menschen zu dienen. Das ist für mich Diakonia im unmittelbaren Sinne." Also abgesehen davon, dass es bereits genug Arbeitsfelder innerhalb des Weinbergs des Herrn gibt, auch für Frauen, die jedoch vielleicht mehr mit Arbeit als mit Ruhm und Titeln zu haben, wies der Papst auf zwei weitere Versuchungen hin:  "die eines Feminismus, der vergesse, dass die Würde der Frau in der Kirche ihr aus der Taufe zukommt, und der Versuchung des Klerikalismus, wenn Priester ohne auf Zusammenarbeit und Synodalität zu setzen alles alleine entscheiden wollten. Dieser Klerikalismus werde oft genug von Laien unterstützt, die sich selber „klerikalisieren“ ließen." Besonders Letzteres sollte den drei-bis-vier-Buchstaben-Verbänden noch in den Ohren klingen, wenn sie nächstes Jahr wieder versuchen, die ehrenwerte, heilige Kirchenlehrerin Katharina vor ihren Karren zu spannen.

Kommentare:

Titelloser Blog hat gesagt…

Wie kommen die Frauenverbände darauf, Katharina von Siena "vor ihren Karren zu spannen", wie du es ausdrückst, wo diese doch gar keine Diakonin war? Sie gehörte einem dritten Orden an. Klar, sie hat sich getraut den Mund aufzumachen. Aber sie hat durch ihr Dienen auch ihr Leben hingegeben. Ist das den Frauen, die Diakonien werden möchten dies bewusst? Sind sie bereit, ihr Lebens aufs Spiel zu setzen?

Mehr dazu hier:
http://christi-braut.blogspot.de/2016/04/heilige-katharina-von-siena.html

Gertie di Sasso hat gesagt…

Ich denke, es geht bei dem Verweis auf Katharina von Siena weniger um den Dienst an sich sondern vielmehr darum, den Männern (besonders der kirchlichen Hierarchie) zu sagen wie es langgeht. Vielleicht missverstehen die Laienverbände da auch bewusst die Korrespondenz der Kirchenlehrerin mit Bischöfen und Priestern ihrer Zeit. Da wird die Frage nach Kirchenämtern für Frauen vor zur Frage nach Macht und Titeln. Ja, auch Pastoralassistentin ist letztlich ein Titel, der verteidigt wird, dessen "Macht" aber offensichtlich nicht ausreicht. Das kommt halt dabei heraus, wenn man die geistliche, die wahre Dimension der Kirche ausklammert und sie nach weltlichen, politischen Maßstäben behandelt.