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Die Welt wäre besser ohne mich

Das ist KEIN Mitleidspost!!! Ich hab jetzt nur die Faxen dicke!! Eigentlich wollte ich zu dem leidigen Fall der Kölner Klinik und der ans...

Freitag, 20. Juni 2014

Dürfen Christen (keinen) Spaß haben?

So kann's gehen. Da stellt man ein Lied online und plötzlich steckt man mitten in einer Diskussion über Spaß und Freude im Christentum. Ok, die Sängerin ist Ordensschwester und da kommt dann wohl zwangsläufig die Frage auf "ob sich das für eine Ordensschwester ziemt". Hier weist Petra Lorleberg auf das unglückliche Schicksal der sog. "Soeur Sourire" hin.
Die belgische Ordensfrau zerbrach vermutlich u.a. an ihrem musikalischen Erfolg. Nach Ordensaustritt und Tablettensucht beging sie 1985 Selbstmord.
Gefährdet Suor Cristina mit ihrer Musikkarriere ihre Berufung? Meine Meinung: Ja, mit Sicherheit! Soll sie deshalb aufhören? Nein! Kann eine Ordensfrau in einer solchen Szene „entgiftend“ wirken? Davon lassen wir uns noch überraschen!
Selbstverständlich ist es ein gefährlicher Weg, den die italienische Schwester geht. Sie kann gut singen, sie sieht gut aus: Die Welt steht ihr offen. Versuchungen werden nicht ausbleiben und wir können nur hoffen und beten, dass sowohl sie wie auch ihre Ordensleitung im Umgang mit diesem Erfolg das nötige Geschick und nicht zuletzt auch die nötige Demut entwickeln.
 Und auch wenn die liebe Eugenie recht hat, dass das Wort "Spaß" kein einziges Mal in der Bibel genannt wird, so bin ich doch fest davon überzeugt, dass es nicht verboten ist, sich auch kurzfristig und oberflächlich an den Wundern dieser Welt zu erfreuen; solange man es nicht übertreibt und in "braccia di Gesú" bleibt, wie Suor Cristina auf wiederholte Fragen antwortete. Immerhin hat Er diese Welt geschaffen, mit allem was darin ist, flüchtige und bleibenden Freuden. Da dürfen wir uns sicher an ihnen erfreuen. Auch bin ich der Meinung, dass man mehr Menschen gewinnt - auch für Jesus - wenn man eben wirklich Freundschaft mit ihnen schließt. Sagen schon Père Zanotti-Sorkine und Papst Franziskus.
Nach ihrem Sieg in der Talentshow „The Voice of Italy“ kehrt Schwester Cristina Scuccia zu ihren beiden Prioriäten zurück: zu Jesus und zum Gebet.
„Meine Zukunft liegt in der Hand meiner Oberen. Ich glaube an die Vorsehung“, sagt die dem Orden der Ursulinen angehörende Schwester in einem Interview mit der italienischen Internetseite TGcom24.
 

Herr, schütze Suor Cristina 
und uns alle!

Kommentare:

F. M. hat gesagt…

Dürfen Christen (keinen) Spaß haben?

Kommt auf den Spass an und die Menge.

Erstens den richtigen Spass, (am besten betend in der Kirche) und von allem anderen Spass (was d'Leut halt so unter Spass subsummieren) ja nicht allzu viel.
Vielleicht ist die Tradition des risus paschalis nicht allzu schlecht. Einmal im Jahr, maximal zweimal (im Fasching vielleicht auch, für ein paar Tage) darf gelacht werden. Ansonsten lässt man es als guter Katholik am besten ganz sein. Und wenn Sie beim Sex Spass haben sollten, so ist das in -fast- allen Fällen strengstens verboten und schwer sündhaft!

Gertie di Sasso hat gesagt…

:D :D :D
Oder war das jetzt schon ein Lacher zuviel? ;)

Anonym hat gesagt…

Kommt darauf an Gertie, worüber Sie gelacht haben...

Anonym hat gesagt…

Nein, das war kein Lacher zuviel. Ganz einfach deshalb, weil Sie ja nur virtuell gelacht haben. Das zählt nicht. Erst in der Realität, da müssen Sie haarscharf zwischen erlaubtem Lachen (extrem selten!) und schwerer Sünde (in fast allen Fällen) unterscheiden. Wobei ich jetzt einfach Lachen mit Spass gleichgesetzt habe in meinem katholischen Leichtsinn *bereu*.

Cassandra hat gesagt…

Wir hier im Norden kennen das Wort "Jux" (etymologisch verwandt mit englisch "joke") für kurzfristigen, oberflächlichen, manchmal sogar leicht boshaften gegenüber dem Anderen Spaß. Jux ist, wenn man dem Nachbarn den Benzinhebel am Trekker abdreht und sich ans Küchenfenster stellt, zugucken wie sie (völlig planlos) versuchen, ihren Trekker wieder zum Laufen zu bekommen und man am Ende den Helden der Situation gibt, ein bißchen kundig am Motor rumschraubt, irgendwelche irrelevanten Hebel dreht und dabei wenn es keiner sieht den Benzinhebel wieder auf "ein" stellt.

Das könnte tatsächlich mit dem Christsein kollidieren.


Opa stand hinter dem Fenster und guckte zu, wie besagte Nachbarn eine Stunde lang rückwärts mit Anhänger das Heu einbrachten (oder es zumindest versuchten) und freute sich. Immer wenn er lachen mußte, putzte er sich die Nase, damit es nicht so auffiel. Bauernkind, er fand die Bemühungen unserer Nachbarn, "mal eben" Bauer zu werden, ziemlich lustig weil sie sich so ungeschickt dabei anstellten und partout keine Hilfe annehmen wollten von Leuten, die das ihr Leben lang gemacht haben.

Die Komik solcher Situationen zu genießen ist vielleicht boshaft, aber am Ende eine andere Liga als das mit dem Benzinhahn.


"Blessed are thou who can laugh about yourself, for you shall never lack a reason for laughter"

Wir sind hier ja nicht in Umberto Ecos Mittelalter-Visionen, wo Lachen teuflisch ist.

Sich auf Kommando organisiert amüsieren zu können ist mir nicht gegeben; Karneval ist mir ein Graus und sollten wir jemals in Rheinland ziehen, wandere ich für die "jeckische Zeit" aus. Punkt.

Etwas tun, was man gern tut, einfach nur um es getan zu haben, macht Spaß, auch wenn es nur oberflächlich ist, und ist nichts per se schlechtes. Auch Ordensfrauen können das tun- warum auch nicht. Spaß an einem Hobby haben, was auch immer das ist. Sport zum Beispiel.
Solange man dabei den Focus nicht verliert, ist man auf dem richtigen Weg.

Im Frühmittelalter feierten Ordensfrauen den Sonntag anders als wir postreformatorisch ernsten Zeitgenossen das heute kennen- sie legten Schmuck an und flochten ihre Haare. Sie lachten, denn es war Sonntag.

Vielleicht sollten wir ein bißchen was davon lernen, dann könnte sogar Nietze uns glauben wenn wir von der Freude des Glaubens erzählen. Das wäre dann mindestens eine Seele mehr, die "oben" ankommt.

Mutter Teresa sagte, ihre Ordensschwestern sollten nicht zulassen, daß jemand nicht heiterer geht als er gekommen ist.
Auch die Benediktsregel spricht dies an.
St Teresa von Avila riet bedrückten Ordensschwestern zu rotem Fleisch und Wein. Man kann darauss chliessen, daß die "Bedrückung" wie es zeitgenössisch hieß, für ein ernstes Problem hielt, denn rotes Fleisch war den Kranken vorbehalten.

Wer nur von Vergnügen zu Jux zur Gaudi und dann zum Spaß unterwegs ist, macht in der Tat etwas falsch. Der ist wie ein Papierschiff auf dem Ozean, treibt hin und her bis er untergeht.
Aber wem die Heiterkeit fehlt, die Gelassenheit bringt und die Fähigkeit zur Freude, der wird irgendwann bedrückt und vom Segen der Depression lese ich auch nichts in der Bibel.

So, Zeit hier den Spaß zu starten :-)