St. Patrick, Hirte von Schafen und Menschen

Den 17. März feiert die Kirche und die irlandfreundliche Welt als "Saint-Patricks-Day". Auch wenn die Menschen, die sich an diesem Tag grün anziehen, mit Guiness oder Whiskey betrinken und bei Paraden mitlaufen, es sich vielleicht nicht bewusst machen, so feiern sie an diesem Tag den Todestag (oder vielmehr Geburtstag zum Himmel) eines Heiligen der katholischen Kirche. Der Mann hinter all dem Grün ist auch viel spannender, als man vielleicht auf den ersten Blick meint. Denn, um mit dem Dichter Oscar Wilde zu sprechen, "jeder Heilige hat eine Vergangenheit". 


Patrick von Irland, wie er inzwischen allgemein genannt wird, wurde um das Jahr 400 in England, damals römische Provinz Britannien geboren. Sein Vater Calpurnius war wohl ein römischer Beamter. Er war Christ und arbeitete in der örtlichen Gemeinde als Diakon mit. Patrick wurde also bereits als Kind im christlichen Glauben erzogen. Allerdings scheint er dies nicht sonderlich ernst genommen zu haben. Er gleicht damit nicht nur einem berühmten Zeitgenossen aus Tagaste (dem späteren heiligen Augustinus), sondern auch ungezählten Jugendlichen aller Tage, auch der heutigen. Immerhin lernte er die christlichen Gebete so sehr, dass er sie noch Jahre später auswendig zur Hand hatte, was ihm in schwierigen Situationen buchstäblichen den Allerwertesten retten sollte. Nicht ganz so flapsig, aber sinngemäß beschreibt er es so in seiner späteren Autobiographie, die er (ebenfalls wie Augustinus) "confessio" nannte. 

Bis er er 15 Jahre alt war wuchs Patrick also behütet auf dem Gut seines Vaters in Britannien auf, als er ganz plötzlich von irischen Kaperfahrern überfallen und entführt wurde. Sie brachten den Jungen nach Irland und verkauften ihn an einen dortigen Stammeshäuptling als Sklaven. Aus dem verhätschelten Sohn des Calpurnius wurde ein versklavter Schafhirte, der mit den Tieren seines Herrn Tag und Nacht bei Wind und Wetter auf den Hügeln verbringen musste. Dabei waren die Schafe nicht nur seine Verantwortung, sondern auch seine einzige Gesellschaft. In dieser Einsamkeit und Not lernte er das Beten noch einmal ganz neu, wie er später schrieb. Er hielt sich an den christlichen Lektionen seiner Kindertage fest und rezitierte die alten Gebete wie eine Rettungsleine, um nicht den Verstand zu verlieren. Die Gebete füllten nicht nur seine Tage, sondern irgendwann verstand er sie auch. Der Glaube an Jesus Christus war in seinem Herzen angekommen. Irgendwann hatte der junge Patrick auch wieder genug Mut und Kraft gesammelt (auch durch den Glauben oder wie er schreibt, durch einen Engel, der ihm erschien), so dass er seinem strengen Sklavenherrn weg lief und zu seinem Glück ein Schiff fand, dass ihn zurück nach Britannien brachte. Seine Eltern, die ihn schon lange tot geglaubt hatten, freuten sich natürlich sehr. Umso mehr, da der Sohn sich nun mit Feuereifer in das Studium des Glaubens stürzte. Patrick studierte und wurde zum Priester geweiht. Er muss ein charismatischer und energischer Prediger gewesen sein und hätte in Frieden weiter in Rom, dem Frankenreich und Britannien arbeiten können, wenn ihn nicht eines Tages der Ruf des Herrn erreicht hätte, der ihn in einem Traum aufforderte nach Irland zurückzukehren. Ausgerechnet auf die Insel, auf der er so viel Leid erfahren hatte. Ich könnte mir auch vorstellen, dass er der Erinnerung an Irland mehr geschaudert muss und nur wegen der Sklaverei, sondern auch wegen der Kälte. Tag und Nacht draußen bei den Schafen im irischen Klima, das kann nicht gemütlich gewesen sein. Und ausgerechnet dorthin sollte er wieder zurück. Nichts ist darüber bekannt, ob er sich sehr dagegen gesträubt hätte. Es heißt nur, dass er dorthin ging. Zunächst nicht unbedingt gerne, aber er ging. Wie viel innere Stärke muss ein Mensch besitzen, dass er freiwillig an einen Ort zurückgeht, an dem ihm Leid widerfahren ist? Das geht nur, wenn man,  weiß, um wie viel stärker man inzwischen geworden ist und wenn man ein Ziel und einen Sinn vor Augen hat, der größer ist als alles Leid. 

Das möchte ich heute von dem heiligen Patrick lernen: Kein Leid kann so dunkel sein und keine Situation so schlimm; wenn ich mich am Gebet festhalte, wie an einer Rettungsleine, dann führt Gott mich da durch und ich komme stärker da raus als vorher. Vielleicht sogar so stark, dass ich nicht mal das alte Übel fürchten muss.  

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