St. Josef: Wahre Männlichkeit ist nicht laut

Wenn die Heiligen in katholischen Kirche als Vorbilder gelten können, dann ist der heilige Josef beinahe wie das platonsche Urbild von Männlichkeit überhaupt. Ein Mann, wie er von Gott gedacht war. "Peak Masculinity", wie es die social media des 21. Jahrhunderts ausdrücken würden. Das heißt natürlich nicht, dass der Mann keine menschliche Fehler hatte. Jede Charaktereigenschaft, die für etwas  Gutes eingesetzt werden kann, kann manchmal auch problematisch werden. Je nach Umständen, Stimmung, Emotionen, etc. So fällt er zum Beispiel im Evangelium vor allem durch sein Schweigen auf. Kein einziges Mal ist eine wörtliche Rede von ihm aufgezeichnet. Er verarbeitet Dinge im Stillen, bespricht sie eher mit Gott als mit seinen Mitmenschen (das nennt man Gebet) und kommt im Stillen zu seinen Entscheidungen, die er dann in die Tat umsetzt. Eine solch ruhige Entschlossenheit ist gut in Krisenzeiten, wie es sich bei der Flucht mit Frau und Baby vor dem Häschern des Herodes erwies. Zu anderen Zeiten ist Kommunikation mit diesem Mann vielleicht mitunter nicht ganz leicht. Doch Josef scheint über genügend Selbsterkenntnis und auch Selbstbeherrschung verfügt haben, dass er seine natürliche Schweigsamkeit nicht zum unüberwindlichen Hindernis werden ließ.

Immerhin hat er Mariens Erklärung ihrer vorehelichen, plötzlichen Schwangerschaft angehört. Andere hätten das vielleicht nicht mal das,  auch wenn er ihr nicht geglaubt haben mag. Zumindest nicht am Anfang. Was menschlich und sehr verständlich ist. Er muss sich verletzt und verraten gefühlt haben. Und doch war er zuvorkommend genug, um die Frau, die er liebte, zumindest zum Teil vor dem Konsequenzen ihrer vermeintlichen Handlung zu schützen. Er wollte sich trennen, aber in Stille, d.h. er würde keine öffentliche Anklage erheben, Maria nicht in größere Schwierigkeiten bringen, als sie ohnehin war. 

Warum er dann doch eine ganz andere Entscheidung getroffen hat als die irdisch verständliche? Da hat er der Himmel eingegriffen. Gott schickte ihm einen Engel, um ihm das Ganze zu erklären und Josef stimmt zu. Weil es Gott ist, der ihn bittet (und vielleicht auch weil er Maria insgeheim gar nicht verlassen wollte).
So handelt ein Mann, der seinen verletzten Stolz nicht wichtiger nimmt als seine Verantwortung und seine moralischen Werte. Er kann so handeln, weil er weiß, wer er ist, vor Gott und vor sich selbst. So sollte ein Mann sein. Auch heute noch. 

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