Synodaler Zirkelschluss und hohle Expertenmeinungen

Zum 1. Advent, mit dem die katholische Kirche üblicherweise ein neues Kirchenjahr beginnt und der heuer auf den 1. Dezember 2019 fällt, soll nun der medial groß angekündigte sogenannte Synodale Weg der Katholischen Kirche in Deutschland beginnen. Angekündigt ist es vollmundig als ein Dialogprozess von Amtskirche mit Kirchenvolk über strittige, weil angeblich nicht mehr einsehbare lehramtliche Fragen, an deren Ende gemeinsam verbindlich über diese Fragen abgestimmt werden soll. 
Bevor sich mir hier die Fußnägel aufrollen, machen wir den Faktencheck:
1. Wer redet denn hier mit wem? Die katholische Kirche in Deutschland zählt noch immer mehrere Millionen Mitglieder, die bestimmt nicht alle in eine Synodenaula passen. Tatsächlich wird es eine geschlossene Veranstaltung zwischen der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) und dem Zentralkomitee der Deutschen Katholiken (ZDK) werden. Altersdurchschnitt beider Gremien ist auf jeden Fall 50+, was die jüngere Hälfte der Bevölkerung schon mal kategorisch ausschließt. Natürlich werden zu den einzelnen Sitzungen Experten geladen, die wahrscheinlich nach der zu erwartenden Meinung handverlesen wurden. 
2. Gerade vor wenigen Minuten habe ich mal wieder eine solche "Expertenmeinung" gelesen. Eine Verlinkung schenke ich mir da such diese Expertenmeinungen wie eineiige Zwillinge verhalten. Eine Diplom-Theologin verkündete, "die Gläubigen würden jetzt endlich Reformen erwarten". Heute fällt mir zum ersten Mal auf, dass diese Experten immer nur in der dritten Person Plural von "den Gläubigen" sprechen. Als seien "die Gläubigen" eine in sich abgeschlosse Gruppe, zu der sie nicht gehören und über die sie deswegen von außen betrachtete wissenschaftliche Aussagen treffen können. Dies verwundert umso mehr, als eine solche Haltung auch bei Experten zu finden ist, die freimütig ihre eigene Konfessionszugehörigkeit mit "römisch-katholisch" angeben. 
Gehen wir nun von der seit Beginn der Kirche gültigen Annahme aus, dass der Glaube die persönliche Beziehung jedes einzelnen Menschen mit dem allmächtigen liebenden Gott in Jesus Christus ist, dann können "die Gläubigen" nicht jene gesichtslose, anonyme Masse sein, zu denen die Experten sie stempeln wollen. Zudem müsste ein Experte in Glaubensfragen, der sich authentischerweise so nennen wollte, neben seinem akademischen Abschluss eine lebendige innige liebende Beziehung zu Gott haben und diese pflegen. Authentisch wäre zudem, wenn diese Expertenmeinungen nicht mehr in der dritten Person Plural, sondern in der ersten Person Singular formuliert würden. Denn in jedem veröffentlichten Interview steht eine einzelne Person, die also auch nur ihre eigene Meinung bzw. Forderung äußern kann. Alles andere suggeriert Mehrheiten die nicht belegt werden können und selbst Studienergebnisse sind mit Vorsicht zu genießen, da Umfragen immer in einem gewissen Grade manipulativ gestaltet sind. Eine authentische, d.h. ehrliche Diskussion für den Synodalen Weg wäre daher, dass alle Teilnehmer ihre Forderungen nicht mit einer angeblichen gesichtslose Masse begründen sondern mit "Ich-Aussagen" als ihre persönlichen Meinungen kennzeichnen. Sodann sollte jede Meinung ehrlich auf ihre Kombatibilität mit der Bibel und dem Katechismus abgeglichen werden! Alles andere wäre Hochmut gegenüber vorangegangenen Generationen, der sich leider in den meisten Expertenmeinungen manifestiert ("früher waren die Menschen halt dümmer als ich heute"), und gegenüber Gott, wenn nicht gar totaler Unglaube. Weil man die Gebote eines Gottes bzw. seiner Gläubigen nur dann einfach so weg wischen kann, wenn man selbst nicht an diesen Gott und an die Konsequenzen des eigenen Handelns über den physischen Tod hinaus glaubt. 
3. Wenn dieser Synodale Weg also nichts weiter als eine geschlossene Nabelschau von Leuten ist, denen es im Kern nur um ihre eigenen Forderungen geht ohne Rücksicht darauf, welche Konsequenzen ihr Handeln für ihre und andere Seelen in der Ewigkeit hat, dann kann ich mich getrost aus der Beobachtung dieses Prozesses ausklinken und gleich ans Beten gehen, d.h. ich spreche mit dem Einzigen auf den es wirklich ankommt, Gott. 


Kommentare

  1. genauso ist es. Kurz und knapp auf den Punkt gebracht.
    Was nun die angeblich dümmeren Vorfahren im Glauben angeht, die so dumm waren einfach zu glauben, dass Gott ist, dass er gut ist, und es gut meint, auch und gerade dann, wenn er einem selber auf einen Kreuzweg schickt und die in ihrem Schwierigkeiten auf den gekreuzigten geschaut und von daher die Kraft erhalten haben, wunderschöne Kirchen zu bauen und das ganz ohne Statiker, computergestützte Architekturprogramme und Beton; was also die Verachtung derjenigen angeht, die so dumm waren, dass sie synodaler Weg nicht schreiben konnten, so hier auf Matth 11,25 zu verweisen "Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, weil du all das den Weisen und Klugen verborgen, den Unmündigen aber offenbart hast"

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