Montag, 9. Oktober 2017

Was ist eigentlich Satire (und was nicht)?

"Satire" ist laut Definition "eine Kunstgattung, die durch Spott, Ironie und Übertreibung bestimmte Personen, Anschauungen, Ereignisse oder Zustände kritisieren oder verächtlich machen will." In dem jüngsten Artikel von Björn Odendahl auf katholisch.de ist viel Spott enthalten, auch grausamer Spott. Kunst konnte ich dagegen nur wenig entdecken und da stellt sich dann die Frage, wen oder was Herr O. verächtlich machen möchte. "Verächtlich machen" kommt von "verachten", der "Verachtung preisgeben". Und das ist dann schon ein starkes Stück. Kritisiert wird nämlich eher weniger, auch nicht die doch kritikwürde Affäre um die fragwürde Haltung der Broeders van Liefde zum menschlichen Leben. Denn wie kann es Kritik sein, wenn man Euthanasie in bestimmten Fällen für angebracht hält? Auch ein Herr Trump und selbst ein Herr Kim haben das Recht zu leben. Weil sie Menschen sind. So traurig das für den Rest unserer Spezies klingen mag. Sobald man nämlich anfängt, in scheinbar "berechtigten Fällen" die Menschlichkeit und die damit einhergehende Würde und Rechte abzusprechen, sind wir nur noch einen Finger breit von der willkürlichen Einteilung in "Menschen" und "Untermenschen" entfernt. Und wir wissen alle, welch furchtbare Versuchungen danach kamen. Ergo ist selbst Herr O. ein Mensch, auch wenn er möglicherweise von Wölfen aufgezogen wurde. Doch selbst eine Wolfsmutter würde er mit seinem schlechtem Benehmen und seinen Tiraden wider Benedikt XVI beschämen.

Denn, und hier kommen wir zum Kern des ganzen Artikels, scheinbar hat Herr O. immer noch eine oder mehrere Rechungen mit dem Emeritus offen. Anders kann man sich seine Fixierung nicht erklären. Kommt er in besagtem "Satirischen Wochenrückblick" (07.10.2017) sonst mit einem Absatz pro Thema aus, widmet er Benedikt XVI ganze zwei Absätze, auch wenn er das mit der Meldung über den Krankenhausaufenhalt von Erzbischof Gänswein kaschieren möchte. Nicht nur unterstellt er dem emeritierten Papst beginnende Demenz ("...hat das aber wohl das ein oder andere Mal vergessen. Kann ja passieren in dem Alter."), er macht sich außerdem über dessen altersbedingte Sehschwäche lustig. Selbst wenn ersteres zutreffen würde - was es nicht tut, sonst könnte er mit über 90 Jahren nicht noch seitenweise tiefsinnige Vorworte schreiben - ist es mehr als schlechter Stil, die Krankheiten eines Menschen der Lächerlichkeit preis zu geben. Im Übrigen wurde der Emeritus bestimmt um jenes Vorwort in der russischen Ausgabe seines Gesamtwerkes gebeten. Das ist durchaus Brauch in der akademischen Welt, zu welcher auch ein emeritierter Professor noch immer zählt. Selbst wenn er zwischenzeitlich mal Papst war.

Man kann im übrigen über vieles geteilter Meinung sein. Niemand zwingt Herrn O. dazu, die Ansichten des Emeritus zu Liturgie und Situation der Una Sancta Catholica zu teilen. Wir haben in der Kirche eine solch große Vielfalt an Möglichkeiten, Gott zu preisen  - die Korrekteren sagen "liturgische Riten" - dass da wirklich Jeder seinen Lieblingsritus finden sollte. Dass Sorgen über den Zustand des mystischen Leibes Christi heute mehr denn je angebracht sind, darüber kann Einigkeit bestehen, auch wenn man sich die Themenfelder seiner Sorgen dann wieder aussuchen darf. Jetzt habe ich schon viel mehr Worte zu diesem unseligen Thema verloren, als ich eigentlich wollte.

Auf Twitter war da wohl am Wochenende bereits eine Schlacht zu entbrannt. Auch in diesem Zusammenhang möchte ich zur Mäßigung aufrufen. Und zwar alle beteiligten Seiten. Loyalität ist zunächst einmal wirklich gut und natürlich kann ein "ständiges Schießen gegen bestimmte Autoren ermüdend sein". Ich glaube Herrn Martin auch unbesehen, dass die Kritik nicht nur von "dunkelkatholischen Kreisen" kommt. Auch die sog. Progressisten innerhalb der deutschen katholischen Kirche zeichnen sich selten durch Feingefühl aus. Ich würde auch nicht soweit gehen, Herrn O. eine"schäbige Gesinnung" unterstellen, auch wenn seine Artikel oft diesen Eindruck vermitteln. Sollte seine Gesinnung rein sein, muss er allerdings heftigst an seinen Formulierungen schrauben. Und an seinem Verständnis von Satire. Nicht zu schweigen von seinem Anstand. Wie schon oft in solcherart Debatten gesagt: Satire darf viel, sie soll beißend sein, den Finger in die Wunde legen. Aber sich über vermeintliche oder tatsächliche gesundheitliche Gebrechen lustig zu machen geht gar nicht! 


P.S. Ich habe den erwähnten Artikel nicht verlinkt. Schund soll jeder selber finden. Es gibt genug Hinweise im Text.

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