Dienstag, 19. September 2017

Gibt es eine deutsche Antwort auf die "Benedict Option"?

Diese Frage gurgelt jetzt schon länger in meinen Eingeweiden herum. Eigentlich seitdem die Worte "Benedict Option" in meiner Filterblase ankamen. Der US-Amerikaner Rod Dreher hat in seinem Buch die kulturprägende Kraft des Christentum (wieder)entdeckt und plädiert dafür, diese Kraft in das eigene Leben und in die Gesellschaft zu tragen. In Deutschland hat der KingBaer dieses Thema für sich entdeckt. Vielleicht hat ihn das Subversive daran angesprochen. Oder vielleicht ist die Gesellschaft in Berlin  auch schon säkularer, mithin "postchristlicher" als anderswo? Aber ist es im übrigen Land oder in Europa denn so anders? Ist nicht viel mehr die christliche Tradition, die mancherorts noch gelebt wird, rein äußerliche Patina? Wer weiß zum Beispiel heute noch um die Bedeutung christlicher Feiertage? Oft kommen sich praktizierende Christen ja vor wie die Letzten Mohikaner. Da besteht dann leicht die Gefahr in Trübsinn zu verfallen. Genau davor warnen Rod Dreher und der KingBaer. Sie ermutigen vielmehr dazu, die subversive Kraft einer kreativen Minderheit nicht zu vergessen und für die Sache Jesu nutzbar zu machen.

Diese Idee ist schon älter. Die Entdeckung, dass das Christentum in der westlichen Hemisphäre zunehmend schwindend ist ja auch nicht so neu. Der Prozess ist besonders in den Industrienationen schleichend. Vielleicht geht es der Religion da ähnlich wie der Philosophie: solange es einem materiell gut geht, sind metaphysische Gedanken den meisten Menschen zu anstrengend. Und selbst wenn, hat das Christentum ein gewaltiges Imageproblem. Dem Einen sind die 2000 Jahre Kirchengeschichte viel zu viel Ballast, es gibt zuviele Regeln, kurz, es wird schlichtweg als altmodisch erlebt. Warum der Islam, der nicht selten viel rigider daherkommt, sich nicht mit demselben Image herumschlagen muss, sondern im Gegenteil immer noch den Hauch des Exotischen verströmt, bleibt mir persönlich unverständlich. Das soll hier aber jetzt nicht Thema sein.

Hier soll es jetzt um die Frage gehen, ob es auch eine deutsche bzw. europäische Antwort auf die "Benedict Option" von Rod Dreher geben kann, ob eine solche erst gefunden werden muss, oder ob es sie nicht vielmehr schon gibt? Wenn ich die Benedict Option richtig verstanden haben, geht es darum, sich zuerst auf den eigenen Glauben und dessen Wurzeln zu besinnen, quasi sich wie der hl. Benedikt in eine eigene "Mönchshöhle" zurückziehen, um dann mit Mut und wiederentdecktem Glauben aktiv zu werden. Tatsächlich gibt es mehrere christliche Gemeinschaften und Initiativen, die als kreative Minderheiten wirken. Im Prinzip sind alle Ordensgemeinschaften auf diese Weise entstanden. Und eigentlich hatte ich in diesem Zusammenhang auch die christlichen Verbände und Vereine erwähnen wollen, aber BDKJ, Caritas, Kolping etc. marginalisieren sich in dieser Hinsicht gerade selbst.

Seit dem 20. Jahrhundert sind da eher die Geistlichen Gemeinschaften in Erscheinung getreten. So ist die Gemeinschaft Emmanuel aus einer kleinen Gruppe "Anbeter in der Stadt" gewachsen und das sog. "Pfarrzellsystem" möchte mit solchen Anbetungsgruppen sogar ganze, müde gewordene, Pfarreien regenerieren. Auch das Programm "Rebuilt" ermutigt gläubige Laien dazu, zusammen mit Priestern und Ordensleuten kreativ und aktiv zu werden, um Gemeinden wiederzubeleben. Die Idee hinter "Rebuilt" kommt ebenfalls aus den USA und Pater Thomas Gögele LC hat hierfür in Österreich dasselbe gemacht, was der KingBaer für die Benedict Option in Deutschland gemacht hat: Das englische Buch für ein deutschsprachiges Publikum im Internet bekannt gemacht. Pater Thomas gehört selbst einer Gemeinschaft an, deren Hauptcharisma darin liegt "Menschen in die Freundschaft mit Christus zu führen, damit Er sie zu Aposteln macht". Zunächst geht es dieser Gemeinschaft also in erster Linie um die einzelnen Menschenseelen. Dass gläubige Menschen sich von ihrem Glauben auch in anderen Lebensbereichen inspirieren lassen und dass dann im besten Fall subversiv und kulturprägegend wirken kann, wird als positiver Nebeneffekt mitgenommen. An den vielen unterschiedlichen Apostolatsprojekten (Kinder- und Jugendgruppen, Freizeitcamps, Jugendwallfahrten, katholische Schulen, Einkehrtage, Exerzitien, persönliche geistliche Begleitung etc.etc.) kann man ein wenig von der Kreativität ahnen, die ein überzeugter, tiefer Glaube freisetzt. Der Apostel Paulus hat diese Kreativität gehabt und er ist einer der Patrone jener (ungenannten) Gemeinschaft. Er kann auch als Patron für Jene dienen, die unter der "Benedict Option" segeln. Und da fällt mir ein Vortrag ein, den Pater Andreas Schöggl LC im Juni diesen Jahres hielt. Da erklärte in kleinen Schritten, was wir von den Lebensetappen des heiligen Paulus lernen können: Sich selbst immer wieder prüfen, beten, treu sein gegenüber der Kirche, gemeinsam arbeiten. Und immer mit der Liebe Christi im Gepäck, die uns umfängt und drängt!

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