Der Schleier vorm Brautbett oder Warum ich eine Mantilla trage

Auf Bitten einer Freundin soll ich hier etwas über meine Motivation für das Tragen eines Schleierchens in der Kirche schreiben. Zu allen Zeiten haben sich Menschen zu besonderen Anlässen in besonderer Weise gekleidet. Das betraf zwar nicht nur, aber auch die jeweiligen Kopfbedeckungen. Warum wird man dann - zumindest in hiesigen Breiten - so schief angeschaut, wenn man in der Kirche ein Tuch auf dem Kopf trägt?
"Nach Homer verehrten die eleusinischen Mysterien Demeter als die "Herrin des glänzenden Schleiers" und Mose musste, als er vom Berg Sinai herunterstieg, sein Gesicht mit einem Schleier verhüllen, da die Leute den Anblick seines erleuchteten Gesichtes nicht ertragen konnten....Die Bezeichnungen Velamen und Velum bedeuten auch Schleier, Hülle. So leitet sich der Schleier der Frau historisch und etymologisch vom Vorhang ab, der das Private vor dem Öffentlichen schützt, denn im Hebräischen bedeutet das Wort für Braut (kallatu) wörtlich die Verschleierte." stellt die Braut des Lammes fest.
Und Anna Diouf schreibt bei thecathwalk.net: "Die Mantilla schafft hier den „Spagat“ der dem Katholischen eigen ist: Nur sie schafft es, bei einem Maximum an Prachtentfaltung gleichzeitig maximal „bescheiden“ und „demutsvoll“ zu sein. Ein luxuriöser Stoff, der ein bisschen verrucht, dekadent und ziemlich durchsichtig ist, wird, so in den Dienst Gottes gestellt, zum Zeichen für Würde, Schönheit, Reinheit und Erwählung."
Mir persönlich gefällt der Aspekt der bräutlichen Liebe besonders gut, ebenso wie das mit dem Verhüllen alles besonders Wichtigen oder Heiligen. Damit ist allerdings weniger meine Person gemeint, als vielmehr das innere Geschehen, welches sich z.B. rund um den Empfang der hl. Kommunion vollzieht. Mit dem Vers aus dem Hohen Lied (Kap 1, Vers 4) und dem 45. Psalm erscheint mir dabei das Bild des Brautgemachs als das Passendste. Ich könnte es auch als "Kuscheltuch des lieben Gottes" bezeichnen, wenn ich daran denke, dass ich Gottes kleines, geliebtes Kind bin. Auch wenn es hierzulande vielfach zu Irritationen führen mag, soll das Tragen des Schleierchens in keinster Weise eine Überheblichkeit der Trägerin ausdrücken (im Gegenteil), sondern es dient einzig und allein der besseren inneren Sammlung. Auch der Ausspruch Jesu an Gabrielle Bossis  Der Gatte wird sich der Gattin nicht nähern, solange sie zum Fenster hinausschaut und abgelenkt ist von den Dingen draußen. Er wartet, bis sie sich dem Innern des Zimmers wieder zuwendet , weist auf diese  Konzentration hin, das tiefe Versenken meines Herzens in Jesu Herz beim Gebet. Dabei ist die Mantilla (m)ein Hilfsmittel, nicht mehr und nicht weniger. Meine habe ich übrigens selbst gemacht.

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