Zum 96. Geburtstag des dichtenden Soldaten

...meines lieben Großonkels, Hermann Orgaß, posthum.
 In tiefer Verehrung und in Caritate Christi.

Foto: privat

Geboren am 25. September 1916 in Hamburg mitten in das Gewirr des Ersten Weltkriegs, im Jahr der Schlachten von Verdun und an der Somme, wuchs Hermann Maria Orgaß als fünftes von acht Kindern in einem „treukatholische Elternhaus“ auf. Aus Erzählungen und Anekdoten taucht ein Junge und junger Mann auf, der in einer großen Familie aufwächst, hauptsächlich umgeben von Schwestern, wo er eine behütete und fröhliche Kindheit und Jugend erlebte. Er studierte Lehramt, bevor er etwa 1937 zur Wehrmacht ging. Ein solcher vermeintlicher Kriegseifer mag angesichts der tiefreligiösen und friedliebenden Gesinnung der Familie erstaunen, jedoch überwogen wohl in jener Zeit oft Pflichtbewusstsein und Vaterlandsliebe. „Es gilt zu kämpfen für meine Braut und Familie, für mein liebes Vaterland und für die Kirche". Wegen seiner offen religiösen Gesinnung, die damals als „staatsfeindlich“ betrachtet wurde, wurde er von einem Stubenkameraden denunziert  und in ein Gefängnis nach Berlin gebracht. Aus diesem Grund würde ich ihn sogar in eine Reihe mit den christlichen Märtyrern jener Tage stellen.
Beim Lesen dieser Aufzeichnungen tritt, trotz seines jugendlichen Alters, eine große menschliche Reife hervor. Eine Freundin der Familie, die mit ihm einmal auch in besonderer Weise verbunden war, nannte ihn in einem Brief „früh vollendet“. Die Schriftstellerin Gertrud von le Fort, mit der er in brieflichem Kontakt stand, spricht von einem Menschen „voll Ernst und Frömmigkeit, der den höchsten Idealen zugewandt war“. Dieser Briefwechsel mit einer der bekanntesten christlichen Autoren in Deutschland zu jener Zeit, beleuchtet eine weitere Seite seiner Persönlichkeit, die ich sehr bewundere: seine große literarische Begabung. Bei den meisten seiner Gedichte ist der Einfluss Gertrud von le Forts nicht zu leugnen und sie gehören für mich mit in die Preziosenkästchen deutscher Lyrik jener Zeit.
Nach dem sog. „Fall Orgaß“, seinem Disziplinarverfahren, das im September 1943 in Berlin endete, verliert sich die Spur. Erst die Vermisstenmeldung vom November desselben Jahres durch einen Offizier aus Feodosia (auf der Krim), setzt den Schlusspunkt zu diesem kurzen, jedoch vielschichtigen und reichen Leben.
© aus meinem Nachwort zu den Aufzeichnungen Hermann Orgaß' von 1942/43.

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