Auch wenn wir heute schon durch das "große Portal in die Karwoche" eingetreten sind, kommt auch hier ein Ausschnitt aus der wieder einmal sehr intensiven
Homilie von El Papa:
„Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei
das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe!“
(V. 9-10). Diese von allen vier Evangelisten überlieferte freudige
Akklamation ist ein Segensruf, ein jubelndes Loblied: Es drückt die
einmütige Überzeugung aus, daß Gott in Jesus sein Volk besucht hat und
daß endlich der ersehnte Messias gekommen ist. Und alle sind dort in
zunehmender Erwartung des Werkes, das Jesus vollbringen wird, wenn er in
die Stadt eingezogen ist.
Doch was ist der Inhalt, der tiefste Widerhall dieses Jubelrufs?
Die Antwort erhalten wir aus der gesamten Heiligen Schrift, die uns
daran erinnert, daß der Messias die Segens-Verheißung Gottes zur
Erfüllung bringt, die ursprüngliche Verheißung, die Gott dem Abraham,
dem Vater aller Glaubenden, gemacht hatte: „Ich werde dich zu einem
großen Volk machen und dich segnen … Durch dich sollen alle Geschlechter
der Erde Segen erlangen“ (Gen 12,2-3). Es ist die Verheißung,
die Israel im Gebet immer lebendig gehalten hatte, besonders im
Psalmengebet. Darum ist derjenige, der von der Menge als der Gesegnete
bejubelt wird, zugleich der, durch den die gesamte Menschheit Segen
erlangen wird. So erkennt sich im Licht Christi die Menschheit zutiefst
geeint und gleichsam in den Mantel des göttlichen Segens eingehüllt,
eines Segens, der alles durchdringt, alles trägt, alles erlöst, alles
heiligt.
Hier können wir eine erste große Botschaft entdecken, die das
heutige Fest uns übermittelt: die Aufforderung, die gesamte Menschheit
in der rechten Weise in den Blick zu nehmen, die Völker, aus denen sich
die Welt zusammensetzt, ihre verschiedenen Kulturen und Zivilisationen.
Der Blick, den der Glaubende von Christus empfängt, ist der Blick des
Segens: ein weiser und liebevoller Blick, der fähig ist, die Schönheit
der Welt zu erfassen und mit ihrer Gebrechlichkeit mitzuleiden. Durch
diesen Blick scheint der Blick Gottes selbst hindurch, den er auf die
Menschen richtet, die er liebt, und auf die Schöpfung, die das Werk
seiner Hände ist. Im Buch der Weisheit lesen wir: „Du hast mit
allen Erbarmen, weil du alles vermagst, und siehst über die Sünden der
Menschen hinweg, damit sie sich bekehren. Du liebst alles, was ist, und
verabscheust nichts von allem, was du gemacht hast … Du schonst alles,
weil es dein Eigentum ist, Herr, du Freund des Lebens“ (11,23-24.26).
Kehren wir zum heutigen Evangelium zurück und fragen wir uns: Was bewegt
denn wirklich die Herzen derer, die Christus als den König Israels
bejubeln? Sicher hatten sie eine eigene Vorstellung vom Messias, eine
Vorstellung davon, wie der von den Propheten verheißene und lang
erwartete König handeln müsse. Es ist kein Zufall, daß wenige Tage
später die Menschenmenge von Jerusalem, anstatt Jesus zuzujubeln,
Pilatus zuruft: „Kreuzige ihn!“. Selbst die Jünger wie auch andere, die
ihn gesehen und ihm zugehört hatten, verstummen und sind verstört. Die
meisten waren nämlich enttäuscht von der Art, die Jesus gewählt hatte,
sich als Messias und König Israels zu zeigen. Genau hier liegt der Kern
des heutigen Festes, auch für uns. Wer ist Jesus von Nazareth für uns?
Welche Vorstellung haben wir vom Messias, welche Vorstellung haben wir
von Gott? Das ist eine entscheidende Frage, die wir nicht umgehen
können, um so weniger, als wir gerade in dieser Woche aufgefordert sind,
unserem König zu folgen, der als Thron das Kreuz wählt; einem Messias
zu folgen, der uns nicht ein einfaches irdisches Glück zusichert,
sondern das Glück des Himmels, die Seligkeit Gottes. So müssen wir uns
also fragen: Was sind unsere wahren Erwartungen? Welches die tiefsten
Wünsche, mit denen wir heute hierher gekommen sind, um den Palmsonntag
zu feiern und die Karwoche zu beginnen?
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